Hallo!
ganz schön schwierig, zu sich zu stehen, wenn man nicht seinem eigenen Selbstideal entspricht und irgendwie auch in einem unklaren Dauerzustand gefangen ist!
Ich hatte hier vor einigen Wochen schon einmal einen Bericht über mich geschrieben und dann aus Scham doch wieder rausgenommen.
Nun möchte ich ihn erneut schreiben, um einfach ehrlich mit mir zu sein und einen Schritt Richtung "mehr Klarheit" zu machen....
Ich bin Ende 30 und frage mich inzwischen fast täglich, ob ich "schwul", "bisexuell" oder "hetero mit sexueller Homoneigung bin?
Aber der Reihe nach...
In meiner Jugend, gab es noch keinerlei Anzeichen dafür, dass ich vielleicht auf Männer stehen könnte... es gab in meiner Welt einfach Mädels und Jungs und als Junge verliebt man sich halt in Mädels! Was ich auch oft getan habe, aber nie erfolgreich, weil ich zwar ganz gutaussehend war aber schüchtern und nicht sehr selbstbewusst. Außerdem bin ich sehr christlich aufgewachsen und war in meiner Jugendzeit ein sehr gläubiger Mensch. Ich war v.a. in Freikirchen unterwegs. Dort lernte ich das Thema "Homosexualität" v.a. als sündhaftes Verhalten und nicht natürlich bzw. gottgewollt kennen. Daher wäre es bis ich ca. 17/18 Jahre alt war nie für mich in Frage gekommen, darüber nachzudenken, dass ich schwul sein könnte. Mit Mädchen tat ich mich allerdings irgendwie weiterhin schwer, v.a. mit Mädels, die ich attraktiv fand! Ich habe irgendwie das Konzept entwickelt, dass die meisten Mädels einfach auf "coole, selbstbewusste, Fußballertypen" stehen und nicht auf so nachdenkliche, sensible und schüchterne Typen wie mich, die dazu noch fleißig Bibel lesen...
Naja, ab der Oberstufe bekam meine christliche Weltanschauung langsam Risse und ich fing an viele Glaubenssätze zu hinterfragen. Daneben hielten durch das Internet Pornos Einzug in meinen Alltag. Pornografie war damals mit 17/18 allerdings ein extrem schambesetztes Thema für mich, da ich immer noch ziemlich fromm unterwegs war und dachte mit meinem Glauben könnte ich diesen Drang mich selbst zu befriedigen und dabei Pornografie zu konsumieren besiegen. Hat aber nicht geklappt! Der christliche Glaube ist mittlerweile gegangen und die Pornografie geblieben:-\
Gleichzeitig fing ich allerdings auch immer öfter so ca. mit 20 Jahren damit an, Ausflüge auf Gay-Porno Seiten zu unternehmen und bemerkte an mir, dass es mich irgendwie besonders erregt! Das passte aber eigentlich so gar nicht in mein Selbstkonzept damals!!! Ich kam davon aber nicht mehr los und suchte neben den Hetero-Pornos immer wieder den "Gay-Kick"! Hinterher schämte ich mich aber zutiefst und dachte immer oder redete mir ein, dass ich nur eine Freundin bräuchte und alles wird wieder gut und ich bin von dieser eigenartigen "Homoneigung" geheilt.
Während meiner Studi-zeit fing ich dann damit an, aktiv über Dating-Portale nach einer Freundin zu suchen... Funktionierte aber auch nicht so gut und es dauerte eine Weile bis ich dann endlich mal eine traf, die mich toll fand und mir sagte, ich sei "voll der Frauentyp". Das schmeichelte mir damals natürlich total, aber fühlte sich auch irgendwie nicht ganz stimmig an für mich, warum auch immer! Jedenfalls erlebte ich mit diesem Mädchen, die aber eigentlich nicht so mein Typ war, meinen ersten richtigen Kuss und wir waren dann für einige Wochen zusammen! Allerdings Fernbeziehung! Bei dem einen Kuss und Treffen ist es dann auch geblieben und nach 1 Monat war dann wieder Schluss.
Mit ungefähr 22/23 Jahren nahmen meine Ausflüge auf Gay-Pornoseiten und auch auf Seiten, wo man mit schwulen/bisexuellen Männern anonym in Kontakt treten konnte zu und meine Neugier trieb mich immer weiter, sodass ich einen Ausflug an einen See bei mir in der Nähe unternahm, an dem sich Schwule zum Cruisen und FKK trafen...
Dieser Ort hat mich total geflasht! Ich sah zum ersten Mal nackte Männer, die in Büschen und Waldstücken zärtlich zueinander waren und ganz frei mit errigiertem Penis in der Natur umherliefen...
All das hat mich mega erregt! Es hatte so was unwirkliches, geheimes und irgendwie auch was verbotenes! Dort hatte ich dann auch meine erste sexuelle Begegnung mit einem Mann! Zum ersten mal berührte ein Fremder meinen Penis und zum erstem Mal berührte ich seinen. Wir befriedigten uns gegenseitig und ich fühlte im Anschluss irgendwie keine Reue! Ich dachte bei mir nur: "Verdammt, jetzt ist es also passiert, jetzt gehör ich irgendwie zu denen...!" Es dauerte aber wieder nicht lange und die Scham und das Gewissen nahmen überhand! Ich versuchte alles, um gegen diese erlebte "Geilheit" auf homoerotische Kontakte anzukämpfen! Tortzdem "verlief" ich mich immer wieder auf Gayseiten und suchte auch diesen See noch 2-3 Mal auf, um diese homosexuelle Atmosphäre zu erleben.
Mit 24 lernte ich schließlich während eines Praktikums für mein Studium meine erste richtige Freundin und bis heute "Lebensgefährtin" kennen und lieben! Kurz vorher hatte ich zwar noch 2 homosexuelle Begegnungen an einem anderen See und suchte anonym im Internet nach Kontakt, aber durch meine "Freundin" hoffte ich nun endlich davon "geheilt" zu werden! Ich war auch wirklich verliebt in sie und liebe sie bis heute sehr! Ich hatte meinen ersten Sex mit einer Frau mit ihr und war total im "honey-moon".... Es war und ist bis heute eine schöne Zeit mit ihr!
Aber es dauerte "leider" nicht lange und ich suchte im Internet wieder "heimlich" zusätzliche Befriedigung mit gay-pornos....
Ich versuchte zwar fast "krampfhaft" dagegen anzukämpfen und hoffte, dass es einfach irgendwann aufhört, da ich meine "Lebensgefährtin" so sehr liebte! Aber es hörte einfach nicht auf und dieser Drang nach homoerotischen Begegnungen verstärkte sich sogar über die Jahre...
An verschiedenen Orten in verschiedenen Städten, in denen ich seither gelebt habe, suchte ich immer wieder anonym über Internet nach Cruising-Gebieten und Begegnungen. Die realen Begegnungen mit schwulen Männern hielten sich bis Heute allerdings sehr in Grenzen und ich hatte auch noch nie "richtigen" Sex mit einem Mann! Aber ich wollte es meiner Lebensgefährtin nicht antun, sie auf diese Weise physisch zu betrügen! Ich führe mit ihr im Großen und Ganzen eine sehr glückliche Beziehung und wir hatten v.a. in den ersten Jahren auch guten Sex. Ich fühle mich auch körperlich von ihr angezogen und finde Frauen auch generell schön anzusehen!
ABER!
In den letzten Jahren bemerke ich eine zunehmende sexuelle Fixierung auf schwule Männer! Ich habe auch angefangen über Planet-Romeo Kontakte zu schwulen Männern zu knüpfen... Anfänglich löschte ich immer wieder nach kurzer Zeit mein Profil aus Scham! Meine Kontakte und Chatpartner haben es sehr schwer mit mir, da ich mich extrem selten real mit jemanden treffe, und dann meistens auch nichts wirklich sexuelles passiert, da ich einfach diese mega Gewissensbisse meiner Lebensgefährtin gegenüber habe!
Meine sexuellen Fantasien mit schwulen Männern sind in den letzten beiden Jahren immer stärker geworden und ich befriedige mich häufig mit gay-pornos und fantasierten Begegnungen mit Chatpartnern. Ich habe nur noch selten Lust auf sex mit meiner Lebensgefährtin, gebe mir aber größte Mühe mir nichts anmerken zu lassen. Ich glaube zwar, dass sie noch keinen Verdacht schöpft, dass ich "heimlich" sexuell vor einem anderen Ufer schwimme, aber es ist unglaublich anstrengend und ich fühle mich einfach mies, ihr gegenüber, da ich sie wirklich liebe und gerne mit ihr zusammenlebe, sie gerne küsse und auch gerne körperlich mit ihr bin (Kuscheln und so...).. und eigentlich auch gerne nur mit ihr sex hätte und nur sie begehren wollen würde!
Ich weiß einfach nicht mehr wie ich damit umgehen soll! Ich weiß nicht, wer oder was ich bin? Ich frage mich, warum ich sexuell auf Männer stehe und es nicht einfach unterdrücken kann, im Gegenteil, warum meine Fantasien mit einem Mann immer intensiver geworden sind...?
Außerdem leide ich schon seit einigen Jahren unter immer wiederkehrenden depressiven Episoden, mit denen ich meiner Lebensgefährtin gegenüber oft meine sexuelle Lustlosigkeit begründe... aber eigentlich hab ich total viel Lust! Nur irgendwie nicht "nur" mit ihr, sondern auch mit fantasierten schwulen Männern....
Das krieg ich einfach nicht zusammen!!!
Ich liebe meine Lebensgefährtin und liebe es, mit ihr zusammen zu leben, aber gleichzeitig hab ich diese homosexuelle Lust!
Ich traue mich aber nicht, offen und ehrlich damit umzugehen, weil ich Angst habe, meine Lebensgefährtin dadurch zu verlieren ...
Es ist verdammt schwer, damit umzugehen!!!
Sorry, für meinen Bericht, denn geoutet bin ich damit eigentlich noch nicht! Aber ich wollte es mir mal von der Seele schreiben!
9-mal bearbeitet. Zuletzt am 23.05.26 13:59.