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Noch eine Geschichte

geschrieben von Folk0207 
Re: Noch eine Geschichte - mit Namen
09. März 2014 12:41
Über Hobbies und andere Interessen

Ich wollte schon lange mal über dieses Nebenthema schreiben. Bis Ende 2012 war ich ein Mann mit enorm vielen Seiteninteressen.

Das begann schon früh, so mit fünf, sechs Jahren begann ich, was ich später "Wissen sammeln" nannte. Damals (1953-55) mit Wälzern (Die Wunder der Natur) von Büchern mit Kupferstichbildern, ich kannte sie alle auswendig, auch wenn ich noch nicht lesen konnte. Die Bücher hab ich noch!

Dann wurde ich von meinen Eltern und meinen Tanten für die Schönheit von Pflanzen geimpft, damals besonders alpine Flora, Steingärten etc. Das zog sich dann durch ... mit acht fand ich meinen ersten Sonnentau in einem Hochmoor ... mit 13 hatte ich meinen ersten Cactus (leider nicht mehr!), mit 14 meine erste Orchidee (für kurze Zeit). Mit den Anfängen der Pubertät explodierte das "Wissen sammeln", ich hatte die KOSMOS-Hefte, Bild der Wissenschaft, später Scientific American, gleichzeitig explodierten die Hobbies, ich begann eine sehr ansehnliche Kakteensammlung aufzubauen, mit Nebenästen zu anderen exotischen Pflanzen.

Das ging mehr oder weniger so weiter. Meine Pflanzen konnte ich nicht überall hin mitnehmen, aber während meiner 4 Jahre in London war ich ein häufiger Besucher des Botanischen Gartens in Kew, habe dort Samen gesammelt und einige der Pflanzen habe ich immer noch. Es kamen dann Orchideen in größerem Maßstab hinzu, besonders nach meiner Hochzeit stürzte ich mich in dieses Hobby.

Nach der Geburt meiner Töchter weiteten sich meine politischen Interessen aus. Dies war der Zeitraum, als ich mich schrittweise von meiner Frau zurück zog. Ich beteiligte mich an einer Bürgerinitiative, trat in die SPD ein, wurde Ortsvereinsvorsitzender, Stadtrat, Fraktionsvorsitzender, wurde wieder abgewählt, zog um, engagierte mich erneut politisch, wo es ging.
Die exotischen Pflanzen nahmen gleichzeitig schier überhand, ich begann eine Grenze zu sehen, wo ich nicht mehr hinterher kommen würde, nach dem Umzug hatten wir uns auch noch einen Garten zugelegt ...

... und dann ... kam mein Eintritt in dieses Forum, im Dezember 2012.

Es kam die Erkenntnis meiner Präferenz, Männer zu mögen, schwul zu sein. Und Schluss war mit Hobbies und Politik und Nebeninteressen. Jedenfalls fast.

Es war, als ob ich den Stecker rausgezogen hätte. Ich bin intelligent genug, neben mir zu stehen und zu staunen, wieviel mentale Energie meine nicht ausgelebte Sexualität freigesetzt und in andere Bahnen gelenkt hatte. Ich hatte plötzlich keine freie Energie mehr zur Verfügung.

Alles floss in zwei Bereiche: Der Eine war die Beschäftigung mit der Frage, wie es mit meiner Frau, meiner Familie weitergehen würde. Der Andere, allerdings erst nach meinem Coming Out bei meiner Frau, war das plötzlich aktive Interesse, Männer zu treffen, um mit ihnen intim zu werden. Besonders dieser zweite Bereich, ihr dürft ihn gerne ganz ohne Beschönigung "Geilheit" nennen, hat mich total und völlig unerwartet getroffen und übermannt (selten passt ein Verb so schön auf einen Vorgang!). Und zwar nicht nur für ein paar Tage, es ist eher ein halbes bis dreiviertel Jahr gewesen.

Es beeinträchtigte auch weitere Bereiche. Nur mit Mühe konnte ich mich motivieren, meiner selbständigen Arbeit nachzugehen und meine Kunden nicht zu vernachlässigen. Was die Hobbies angeht, kann ich von Glück sagen, dass die Kakteen das total ohne Probleme überstanden haben und die Orchideen zum größten Teil. Denn mit Gießen und Sprühen war nicht mehr viel, mir fehlte die Energie und es war mir wurscht.
Politik ist ein Gebiet, da braucht man Drive und der war weg. Nur mein eingebauter Sinn für Loyalität hat mich bei der Stange gehalten (und ein paar Freunde, die wußten, womit ich kämpfte). Aber alles geht einmal zu Ende, auch so eine Phase.

Mittlerweile habe ich mein inneres Gleichgewicht wieder gefunden. Meinen Kakteen geht es so gut, wie lange nicht mehr, den Orchideen auch. Beruflich zeigt vieles in Richtung besser (in der Selbständigkeit weiß man aber nie ...), politisch habe ich mich bei unserer Schwulenorganisation gemeldet und mache deren lokalen Internetauftritt (auf Facebook, Victor, entsetzlich! winking smiley ) und arbeite weiter aktiv in der Kommunalpolitik mit. Mein Interesse an Wissen ist als einziges in dieser Zeit nicht erloschen. Bemerkenswert! Die Neugierde bezieht ihre Energie wohl aus einer anderen Quelle.

Aber so kann's gehen.

Und es bringt mich zum Nachdenken, denn ich frage mich, wieviel politisches, ehrenamtliches und Hobby-Engagement sich wohl aus frustrierter Sexualität nährt? Wo würde dieses Land hinkommen, wenn wir jeden Tag gut befriedigt aus dem Haus gingen?

Schöne Grüße

Volker
Re: Noch eine Geschichte
09. März 2014 16:36
Hi,

Volker, Du weißt, dass Du sehr sehr recht hast ... ??

Auch ich hatte jede Menge Aktivitäten, in die ich mich früher voll reingestürzt habe ... PCs, Haus, Hof etc.

Das war alles vorbei, als das CO in mir hochbrodelte (da war 100% Internet angesagt) und auch, als ich 2-3 Jahre meine Pubertät nachholte.

Jetzt (ob ohne oder mit Freund) gibt es so viele neue "Freizeitaktivitäten", dass wohl einiges dauerhaft auf der Strecke bleiben wird.

Ja, viele ehrenamtlich aktive Männer machen auf mich einen ganz bestimmten Eindruck, der sich dann noch verfestigt, wenn ich die dazugehörige Frau sehe ...

Erst gestern war ich bei einer Veranstaltung ... organisiert von einem Freunde- und Förderer-Kreis ... ich war zum allerersten Male dabei ... hatte nie was mit den Leuten zu tun ... aber gerade mit den Männern war es, als gäbe es ein unsichtbares Band, eine Schwingung, die uns zusammen plaudern, lachen "Duzen" ließ ... (...)

Und "hey, wir freuen uns, wenn Du da bist oder wiederkommst", das hat man zu mir bisher nur in der schwulen Kneipe oder im schwulen Club gesagt ... :-D

Ja, viel soziales Engagement würde womöglich erstmal auf der Strecke bleiben oder nicht aufgenommen, allerdings beobachte ich bei mir JETZT, wo ich wieder zufrieden (und glücklich) bin, erneut das Bedürfnis, ehrenamtlich und sozial tätig zu sein ... wahrscheinlich ist es jetzt wieder das Bedürfnis, mit "gleichtickenden" Leuten etwas zu zusammen zu machen.

Von daher ... denke es kommt wieder ... und sortiert sich neu ...

(wenn man das weiter denkt, könnte man auf das soziale und ehrenamtliche Engagement von Hetero-Männern schließen ... ok, ... lassen wir das ...)

Liebe Grüße
Victor
Re: Noch eine Geschichte
24. August 2014 10:46
Update 7

Hallo zusammen,

seit letztem November habe ich kein Update geschrieben! Gibt es nichts zu erzählen? Oh doch ... !

Meine Familie hat mit sich zu kämpfen gehabt und tut es noch. Einen schwulen Ehemann, schwulen Vater zu haben, ist halt nicht selbstverständlich. Wir sind eine linksliberale (nicht im parteipolitischen Sinne) Familie, Akzeptanz des Andersseins gehört da zum Selbstverständnis. Aber wenn das Andere sehr nahe kommt, wird es schwierig.

So bin ich denn frei, schwul zu sein. Aber ich kann nur wenig drüber sprechen und fühle mich manchmal isoliert. Ich glaube, sie wollen lieber nicht so genau wissen, was das bedeutet. Auf Facebook habe ich meine schwulen Freunde sorgfältig vom Rest der Welt getrennt, damit entsprechende Posts nur sie erreichen und niemand anderen, der das nicht wissen will. Also zurück ins "closet"? Nein, so schlimm ist das nicht. Ich weiß, ich muss ihnen Zeit geben, ich habe sie ja auch gebraucht.

Meine Töchter sind Ende Juni vorübergehend wieder eingezogen, das Studium ist erst mal durch, der nächste Abschnitt beginnt im Herbst. Das hat auf mein Verhältnis zu meiner Frau einen guten Einfluss gehabt, denn seither tun wir viel gemeinsam, sind wieder eine komplette Familie. Das tut uns allen gut, auch mir. Sie sehen, dass ich nicht ausbrechen will, dass ich noch derselbe bin. Wir sind uns alle wieder näher gekommen.

Aber sie bekommen auch mit, wenn ich abends ausgehe, wenn ich mal ohne Erklärung einen halben Tag weg bin. Meine Beziehung nach Stuttgart ist leider eingeschlafen, aber eine andere nach Braunschweig ist hinzugekommen. Vor 3 Wochen war ich 3 Tage weg, um dort einen Freund zu besuchen. Da hat mich meine Frau an den Zug gebracht und meine Tochter später wieder abgeholt, ohne dass da auch nur eine hochgezogene Augenbraue gewesen wäre.

Meine Frau und ich, wir stimmen regelmäßig unsere Kalender ab und wenn ich mal weg will, für einen Abend oder ein paar Tage, dann habe ich einen Kloß im Hals und ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Aber jedes Mal wird das akzeptiert, als ob ich einen Geschäftstermin hätte, ohne Kommentar, ganz nüchtern. Langsam beginne ich, da meine Ängste abzulegen. Das wird aber noch ein wenig Zeit brauchen.

Im Bekanntenkreis ist das Outing etwas vorangekommen. Meine Frau hat sich ihrer besten Freundin anvertraut. Da war ich etwas besorgt, wie ich von ihr aufgenommen werden würde, als wir neulich dort zu Besuch waren. Aber da war nichts, nur die alte Herzlichkeit. Und meine Tochter hat es ihrem Freund gesagt, aber da ist auch nichts. Wir umarmen uns zur Begrüßung und daran hat sich nichts geändert.

Und mein neuer Freundeskreis? Es sind lauter Fernbeziehungen. Ein verheirateter Handelsvertreter nahe Osnabrück, ein Student der Architektur in Frankfurt, ein Stahlarbeiter in Braunschweig. Keiner, den man häufiger als alle paar Wochen sehen könnte und dennoch, alle herzlich, alle habe ich gerne und oh ja, mit allen bin ich auch intim und sie wissen voneinander und akzeptieren, dass ich nicht zu Hause sitzen und mich wie ein Mönch verhalten kann. So, wie ich akzeptiere, dass sie nicht bis zum nächsten Treffen keusch auf mich warten. Aber Sex ist nicht alles. Wir reden und schreiben uns täglich mehrmals über die modernen Medien, wir nehmen am Leben des anderen teil. Wir tauschen uns aus, wir entwickeln uns weiter. Das Wissen, diese Männer an meiner Seite zu haben, macht mich ruhig, macht mich ausgeglichen. Es geht voran!

Schöne Grüße

Volker
Re: Noch eine Geschichte
25. August 2014 08:33
Update 7 - Nachtrag

Wie das so gehen kann ...

Noch eine konkrete Geschichte, wie das so geht ... Wir leben in einem kleinen Weinort in Unterfranken. Sehr schön, romantisch, kommt mal auf ein Glas vorbei! Gestern waren wir aus bei einer Abendveranstaltung eines Weinguts.

Und dann sagt meine Frau, wir müssten mal wieder unsere Kalender abgleichen. Ob ich denn noch weitere längere Fahrten plante, dieses Jahr? (Ich war ja vor 3 Wochen einige Tage weg, s.o.) Ich war erst mal sprachlos! Aber dann habe ich mir ein Herz gefasst und ja gesagt und ihr gesagt, dass ich einen Freund in Braunschweig habe und ihn ab und zu sehen möchte. Dass ich bereits plane, ihn Ende November zu besuchen, wenn sie eine Woche zu ihren Eltern fliegt. Da fing sie dann ganz praktisch an, drüber nachzudenken, dass wir für diese Woche jemanden brauchen, der unsere Haustiere versorgt! Da war ich dann wieder von den Socken. Ich hab sie in den Arm genommen und gedrückt. Eher brüderlich, aber es ist klar, sie akzeptiert mich nicht nur, sie unterstützt mich.

Schöne Grüße

Volker
Re: Noch eine Geschichte
25. August 2014 17:33
Hallo Volker,

Quote
Folk
... linksliberal ... aber wenn es näher kommt ...

(Diese Erfahrung habe ich mit Linksliberalen schon in meiner Jugend gemacht ... :-D)

Quote
Folk
... und wenn ich mal weg will, für einen Abend oder ein paar Tage, dann habe ich einen Kloß im Hals und ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Aber jedes Mal wird das akzeptiert, als ob ich einen Geschäftstermin hätte, ohne Kommentar, ganz nüchtern. Langsam beginne ich, da meine Ängste abzulegen. Das wird aber noch ein wenig Zeit brauchen.

Genau das Gefühl kenne ich ... eigentlich ist alles durch, alles normal, doch wenn man es ansprechen will oder muss (damit man was machen kann), hat man erstmal "Muffe" oder einen Kloß im Halse

Quote
Folk
Da fing sie dann ganz praktisch an, drüber nachzudenken, dass wir für diese Woche jemanden brauchen, der unsere Haustiere versorgt! Da war ich dann wieder von den Socken. Ich hab sie in den Arm genommen und gedrückt. Eher brüderlich, aber es ist klar, sie akzeptiert mich nicht nur, sie unterstützt mich.

Genau das Gleiche erlebe ich auch ... da gibt es sicherlich schon mal Gefeilsche und Kompromisse bei den Terminen ... auch mit dem Argument "letzens war ich ... und jetzt willst Du" ... aber niemals geht es darum "WARUM" jemand diesen Termin plant oder nicht.

Ich denke da ist schon ein ganz großes Stück Offenheit bei unseren Frauen ... und fast möchte ich meinen, die gesamte Zuneigung, die uns damals zusammenführte, ist fast noch komplett da :-))))

lg.
Victor
Re: Noch eine Geschichte
07. Januar 2015 22:32
Update 8

Weihnachten ist gerade rum. Meine Töchter waren 14 Tage aus dem Studium bei uns zu Besuch, die Wohnung war wieder voll. Die Kinder haben hier für eine Beruhigung der Atmosphäre zwischen meiner Frau und mir gesorgt, denn die war zuvor zunehmend gespannt gewesen. Ich habe langsam den Eindruck, dass das nur schöner Schein ist, wenn meine Frau scheinbar ohne Murren akzeptiert, wenn ich weggehe, auch mal für ein paar Tage. Sie akzeptiert es, ja, aber es nagt an ihr. Ich weiß nicht, wie lange das noch gut gehen wird.

Umgekehrt betrachtet fühle ich mich nicht frei. Oh, die Befreiung, die ich bei und nach meinem CO gefühlt habe ist immer noch bei mir. Aber anscheinend will ich mehr. An der Oberfläche hat meine Familie akzeptiert, dass ich schwul bin. Aber das ist auch alles. Ich führe ein zweites Leben abseits der Familie, das dort niemanden interessiert und wovon auch keiner etwas wissen will. Damit meine ich nicht Sex, ich meine einfach tägliches Leben. Das führt wiederum dazu, dass ich es verstecke. Ich habe ein paar schwule Freunde, die ich gelegentlich zwei oder drei Tage besuche. Dann fühle ich mich frei. Alle Aspekte meines Lebens können mit denen auch offen besprochen werden und sie haben auch Interesse daran, mit mir darüber zu reden und es mit mir zu teilen. Ich lebe ein paar Tage als Schwuler mit ihnen, das ist unglaublich entspannend. Es ist, wie tief Luft holen. Dann kehre ich zurück ... und meine schwulen Freunde beneiden mich um die Familie, die ich habe. "Du hast das Beste von zwei Welten!" sagt einer und der andere: "Gib das ja nicht auf!"

Von diesen guten Freunden wachsen mir der eine oder andere zunehmend ans Herz. Jeder betont mannhaft: "Keine Beziehung!" Aber wo fängt die an und wo hört sie auf? Eine Beziehung habe ich auch schon bei einem ONS. Und ohne eine gewisse Grundsympathie, ohne passende Chemie passiert bei mir ohnehin nichts. Da kommt dann schnell der Moment, wo man sich sehr nahe ist, im Bett, aber auch sonstwo im Tagesablauf. Da ist ein wachsendes Bedürfnis in mir, jemanden an meiner Seite zu haben, der mein Leben mit mir teilt.

Ja, tut das denn meine Familie nicht für mich? Sie möchte vielleicht, aber sie kann nicht. Ich werde geliebt, aber da ist eine Grenzlinie. Ich weiß nicht, ob ich die Grenzlinie selbst ziehe oder ob sie von den Mitgliedern meiner Familie gezogen wird. Da ist ein wachsendes Bedürfnis in mir, jemanden an meiner Seite zu haben, der mein Leben mit mir teilt, und er sollte ein Mann sein. Den ich mit nach Hause bringen kann, ohne dass die Welt in Stücke geht. Das ist die nächste Herausforderung.

Schöne Grüße

Volker
Re: Noch eine Geschichte
26. Januar 2015 22:36
Ergänzung zu Update 8

Wie schnell manche Dinge gehen können. Begonnen hat alles vor ca. 4 Wochen, noch vor Silvester. Ein Freund fragte mich, ob ich ihn nach Hamburg auf die BärenpaadieXXL begleite. Wie immer hatte ich Bauchschmerzen, aber ich hab zu meiner Frau gesagt, ich bin Mitte Januar 4 Tage weg. Und wie immer war das kein Problem.

Noch vor meiner Rückkehr habe ich mir vorgenommen, diesmal werde ich mich nicht verstecken. Am Tag nach meiner Rückkunft sind wir gemeinsam essen gegangen. Und ich habe mir ein Herz gefasst und von meiner Fahrt erzählt. Sie wusste schon, dass ich mit meinem Freund F. aus Frankfurt gefahren war. Aber ich habe über die 4 Tage erzählt, was wir so getan haben (die Bärensauna ausgelassen!!!), gemeinsames Shopping, gemeinsames Essen, gemeinsames Hotelzimmer und immer wieder der Name meines Freundes.

Und dabei langsam kapiert, das es MEIN Problem ist, darüber frei zu sprechen, dass sie gerne hört, was ich gemacht habe. Ich habe in aller Offenheit begonnen, meinen Besuch beim CSD in Köln zu planen. Ich spreche darüber. Ich beginne, über andere schwule Bekannte zu sprechen. Da löst sich ein weiterer Knoten!

Schöne Grüße

Volker
Re: Noch eine Geschichte
27. Dezember 2019 11:21
Update nach laaaanger Zeit.

Hallo zusammen!
Weihnachten 2019 ... und es kommt eine email von Maks. Danke dafür!

Ja, ich war lange nicht hier. Seit Januar 2015. Wie es mir wohl ergangen ist?

2015 war ich noch ziemlich verunsichert. Aber zum CSD nach Köln bis ich damals gegangen. Und letztes Jahr wieder. Und werde es wieder machen, ich plane schon 2020. Sieht mann sich dort? Würde mich freuen!

Ja klar bin ich noch verheiratet. Und lebe mit meiner Frau weiter zusammen. Meine Töchter sind ziemlich aus dem Haus. In der näheren Familie bin ich geoutet, auch bei meiner Schwester, Cousine, ein paar Hetero-Freunden, in meinem SPD-Ortsverein und weil mein Heimatort nur 2500 Einwohner hat, hat sich das vermutlich rumgesprochen. Aber davon merke ich nichts. Ich bin frei.

Wie reagiert mein näheres Umfeld? Vor ein paar Wochen war ich wieder in Köln, auf der Bear Pride 2019. Ich habe das lange geplant und Wochen vorher schon meiner Frau gesagt. Als ich mir am Tag zuvor den Bart in Form geschnitten habe, hat sie mich ermahnt, nicht zu viel abzuschneiden, damit ich noch als Bear durchgehe. Mit einem Augenzwinkern und Humor in der Stimme. Diesmal bin ich alleine gefahren, ohne Begleiter. War prima. Ich habe ein paar nette Kerle kennen gelernt und meine Kontakte werden immer mehr. Ich bin mit dem Zug hingefahren. Und meine Frau hat mich mit dem Auto zum Bahnhof gebracht. Und vier Tage später wieder abgeholt. Ganz normal.

Und gerade ist Weihnachten vorbei... und eine meiner Töchter hat mir einen Männerkalender geschenkt! Mit Muskelmännern im Schottenrock (If my kilt offends you, I can take it off! LOL!). Nackt nur bis zur Gürtellinie (von oben, meine ich! winking smiley ). Und meine Frau, Schwester und zweite Tochter waren dabei und haben alle gekichert. Allen war klar, wo das hinzielt. Ich habe mich lange nicht so akzeptiert gefühlt.

Im letzten Post von 2015 habe ich erwähnt, das ich es schwer fand, darüber zu sprechen. Es ist immer noch nicht so, dass ich locker über Männersex mit meiner Frau sprechen würde. Oder auch nur wollte. Das ist meine Privatsphäre. Diejenigen unter Euch, die diesen Blog aus meiner Frühzeit kennen, werden sich vielleicht erinnern, dass meine Frau und ich damals, in 2013, uns gegenseitig von unserem ehelichen Treuegelöbnis entbunden haben. Ich lebe meine Sexualität aus. Ja, mit 70. Aber wir sitzen regelmäßig zusammen und vergleichen unsere Termine, schon alleine, weil wir nur ein Auto haben. Wenn ich dann sage, "Am Dienstag bin ich beim Georg zum Kaffee." oder "Am Freitag besuche ich Martin in Frankfurt." oder auch "Am Sonntag nach meinem Geburtstag ist CSD in Köln!" kommt das locker heraus und macht mir keine Probleme mehr.

Ich habe angefangen, mich auffälliger und sorgfältiger zu kleiden. Meine Partner legen da auch wert darauf. Sie finden, dass ich ein gut aussehender Mann bin und auf mein Äußeres achten sollte. Du, lieber Leser, möchtest das gerne selber beurteilen? Du findest mich als Folk0207 auf GayRoyal und PlanetRomeo. Überhaupt habe ich beobachtet, dass sich viele Schwule sehr sorgfältig kleiden. Das ist eine Art Erkennungszeichen. Mann sieht das vor allem in entsprechenden Lokalen. Ohja, ich gehe gerne in schwule Lokale. Ich weiß, dass das für viele große Überwindung bedeutet. Das ging mir früher auch so. Aber für mich sind das Freiräume geworden. Ich gehe da rein und brauche keine Alltagsmaske zu tragen. Die da drin sind alle schwul. Wenn man ein wenig Beobachtungsgabe hat, kann man das auch sehen, wie manche hereinkommen und die Maske ablegen.

Ich denke, das reicht erstmal. Maks, nochmal danke, dass Du mich angemailt hast. Es hat mir Riesenspaß gemacht, mal wieder ein Update zu schreiben. Ich gehöre hierher.

Und an alle Älteren (aber auch die Jüngeren): sprecht mich an. Mann kann mit mir über alles reden. Auch privat und sehr intim. Ich weiß, es gibt da viele Fragen.

Schöne Grüße

Volker
Re: Noch eine Geschichte
04. Februar 2020 18:16
7. Jahrestag meines CO

Hallo zusammen!
Das verflixte 7. Jahr? Am 2. Februar 2013 habe ich mich geoutet. Sieben lange Jahre.... ich gestehe, auch viele Männerbekanntschaften. Besuch von Bärenparties, CSDs, Gay-Saunen, einschlägigen Lokalen. Ich habe mich frei geschwommen. Meine Familie hat es mit gemacht.

Natürlich war es nicht immer einfach. Da gab es Widerstände in meiner Umgebung, Widerstände in meinem Kopf. Es braucht Zeit. Nehmt Euch die Zeit!

Courage, given time, will turn your fears to memories! (Nicht von mir!)

Schöne Grüße

Volker
Re: Noch eine Geschichte
04. Februar 2020 19:36
Hallo Volker,

herzlichen Glückwunsch zu deinem "Siebten".

Wenn ich das richtig lese, geht es Dir gut.

Ich wünsche Dir, dass es noch lange so bleibt.

Wenn Du mal in Frankfurt bist, melde dich ... Party, Club oder Bierchen sind immer drin.

Liebe Grüße
Victor
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