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Im Kopfkarussel....

geschrieben von Edward25 
Im Kopfkarussel....
14. Dezember 2024 20:39
Hi, ich hätte diesen Thread schon mal in einem anderen Forum gepostet, aber hier gehört er wohl eher hin.

Kurz, ich bin neu hier im Forum aber seit kurzer Zeit mit einem Problem konfrontiert, dass mir doch ganz schön den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Ihr ahnt es- meine Frau hat mir eröffnet, dass sie sich eigentlich zu Frauen hingezogen fühlt.

Kurz der Background: wir sind seit mehreren Jahren verheiratet und auch vor der Ehe waren wir lange zusammen (das übliche, denke ich: viel erlebt, teilweise auch downs, viel mehr ups, dann Hochzeit). Nach Hochzeit kamen dann die Kinder (mehrere) und, jetzt im Rückblick vielleicht auch eine Art Abkühlung in die Beziehung. Es gab immer noch Vertrauen, Nähe, Zusammenhalt durch die gemeinsamen Aufgabe (Kinder, Jobs, Alltag), aber weniger Zärtlichkeit. Und auch das vorher eher moderate Sexleben wurde weniger. Ich habe das am Anfang immer auf den Stress geschoben, die Umstellung, gerade nach dem ersten Kind, war groß im Alltag. Aber trotzdem wurde es weniger. Dann sind wir beide im Job gefordert, Jobwechsel kamen hinzu, dabei dann immer wieder natürlich mehr Arbeitsbelastung, so dass wir beide auch „nach Feierabend“ weniger /wenig miteinander gemacht haben.
Während dieser ganzen Zeit ist mir schon aufgefallen, dass neben Zärtlichkeit und Sex (der dann wirklich selten wurde) wir auch immer mehr funktioniert haben („Machst du heute das? „ Ich übernehme das dann“). Stichwort Sex: Von ihr ging es selten oder nie aus, irgendwann (vor 2-3 Jahren ?) sprachen wir „danach“ länger über das Thema und sie gab zu, dass ihr Sex nicht wirklich wichtig sei, sie brauche es eigentlich nicht. Das war für mich dann irgendwie seltsam (unangenehm? ja, es war ein unangenehmes Gefühl in dem Moment), da bei mir in der Beziehung Sex dazugehört - und gerne auch häufiger, aber ich wollte meine Frau nach der Aussage dann auch nicht allzu oft „belagern“. Also Rückzug auch von mir, weil ich, und dass hört sich jetzt irgendwie komisch an, mich nicht aufdrängen wollte und sie irgendwie zu etwas animieren wollte, was ihr nicht wichtig war.
Jetzt aber zum Hauptakt: Sie hatte das Gespräch mit mir gesucht und wollte ein Thema klären, dass zwischen uns stehen würde und das müsste sie nun loswerden. Sie fühlte sich zu Frauen hingezogen, dass sollte ich wissen, weil sie es ansonsten unfair finden würde. Erstmal Stille. Ich kann euch meine Gefühle in dem Moment so beschreiben: Okay, es ist ihr Wunsch, ihre Neigung, ihr werde das 100% akzeptieren, ich werde ihr, bei was jetzt immer kommt, keine Vorwürfe oder Vorhaltung oder was auch immer mache. Sie ist ein freier Mensch, die Frau, die ich liebe und auch wenn ich jetzt in diesem Moment auch weiß, dass ich nicht die gleichen Gefühle oder Emotionen in ihr auslöse, dann will ich, dass sie glücklich wird. Sie habe das nun für sich herausgefunden. Und wie, wollte ich wissen. Ja, sie habe gemerkt, dass Frauen Gefühle bei ihr auslösen. Okay, und: ist da jetzt konkret etwas passiert, also ist da schon ein Frau? Hier erst zögern, dann aber: ja, es gibt eine Frau, für die sie Gefühle hat, aber die Gefühle könne sie jetzt noch schwer deuten, es sei aber eine Anziehung.
Okay, wenn das so ist, dachte ich, dann hat sie sich entschieden. Aber wie geht es jetzt weiter, war meine Frage. Ja, so ganz klar war ihr das auch nicht, es „gibt ja verschiedene Modelle, man kann sich ja absprechen, Freiheiten einräumen?“ „Okay, ich glaube, das kann ich mir gerade konkret nicht alles vorstellen, aber ich werde ich nicht an irgendetwas hindern- das kann ich auch gar nicht. Du bist der freie Mensch und wir haben alle nur diese eine Leben.
Sie fand meine Reaktion toll, sagte aber klar, dass sie mit mir zusammenbleiben will, weil wir als Team/ Familie toll sein würden, sie wolle mir alt werden.

Der Abend endete. Und dann kam die Nacht und mein Gedankenkarussell drehte sich immer schneller: Wenn meine Frau auf Frauen steht (und damit habe ich wirklich kein Problem, glaubt es mir, auch wenn alles bis hierhin irgendwie spießig klang oder klingen mag), dann bin als Mann kein Partner mehr, sondern eher ? Kumpel ? Guter Freund ? Vertrauensperson ? Aber nicht die Person, die sie wirklich glücklich machen kann (ich rede jetzt nicht vom Sex), nicht der, bei dem sie die Schmetterlinge fühlt. Und dann ? Dann räumen wir Freiräume ein, heißt: sie wird ihre Erfahrungen mit Frauen machen oder sammeln. Und weiter ? Kommt nicht automatisch ein Punkt, an dem die Liebe zur anderen Frau stärker ist ? Wo stehe ich dann ? Werde ich dann geduldet ? Dreiecksbeziehung ? Und was ist mit meinen Bedürfnissen nach Nähe, Intimität ?? Ab jetzt in dieser Beziehung Zölibat ? Auf Lebenszeit, weil sie mit mir alt werden möchte.
Die Nacht war also schlimm, am nächsten Abend die nächste Besprechung. Meine Frage: Was bedeutet deine Entscheidung jetzt aber für unsere Zukunft, also, was stellst du dir vor ? Ich will deinen Bedürfnissen nicht im Weg stehen, aber ich sehe das gerade auch schwierig für unsere Beziehung. Eine Dreiecksbeziehung finde ich seltsam (nach den vorherigen Einträgen hier im Forum waren das nie Erfolgsgeschichten), also offene Partnerschaft ?
Wir haben viel geredet, sie weiß es aktuell selber nicht. Es gibt eine konkrete Person (ich wollte nicht wissen, wer), vielleicht gingen Modelle, bei denen sie eine Beziehung außerhalb der Familile führen könnte, aber wir am Ende nicht konkretes gesagt.

So, da stehe ich, mit einem Gefühl, dass ich nicht Eifersucht nennen will. Trauer, dass ich sie verlieren werde? Ja. Wut? Nein. Angst vor der Zukunft ?Ja ! Dieser Tag, wenn sie mir dann Miss X vorstellt- ich weiß nicht, wie ich es aufnehmen werden.
Ich will und werde sie nicht hindern, diesen Weg zu gehen, dazu habe ich kein Recht und ich will ihr Glück. Aber wie soll ich mich jetzt verhalten ? Zu allem „ja“ sagen ? Vielleicht, aber was ist mit meinen Gefühlen ? Meinen Bedürfnissen ? Gehen ? Auf keinen Fall, wir haben Kinder (was mich mehr bindet als der Ehering)

Ich weiß, dass viele von euch die gleichen Erfahrungen gemacht haben- als Frau und als Mann, in der Beziehung etc. Ich habe hier viele Gesichtern gelesen, die wenigsten endeten für alle happy.
Ich freue mich auf euren Rat, gerne Hinweise, gerne Korrekturen oder einfach nur eure Meinung
Re: Im Kopfkarussel....
25. Dezember 2024 20:19
Hallo Edward,
ich finde deine Reaktion unglaublich tolerant! Ich bin gerade "auf der anderen Seite", versuche rauszufinden, was mit mit mir los ist... Habe auch Mann und Kind - und sehe ganz klar die Verantwortung für das Glück meines Kindes und meines Mannes. Konkrete Person gibt es bei mir keine, nur sehr viel Unsicherheit und natürlich Angst, was das alles für meine Familie bedeuten könnte. Da ich mir nicht sicher bin, habe ich auch bisher noch nicht mit ihm gesprochen...
Deswegen wollte ich dir für deine Geschichte danken und dir sagen, wie toll ich es finde, dass dir ihr Glück so wichtig ist!! Und natürlich das deiner Kinder!! smiling smiley Ich sende dir liebe Grüße und wünsche dir alles Gute!
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