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doch lesbisch? verliebt trotz schöner beziehung - was tun?

geschrieben von Susanne 
doch lesbisch? verliebt trotz schöner beziehung - was tun?
10. Dezember 2024 21:09
Ich möchte auch gerne meine Situation beschreiben, in der Hoffnung ein bisschen mehr Klarheit zu bekommen, allein durch das Schreiben selbst oder vielleicht durch die ein oder andere Reaktion von euch.

Ich habe mich vor mittlerweile knapp 4 Monaten Hals über Kopf in Anne verliebt. Und das, obwohl ich dachte, in einer glücklichen, erfüllten Beziehung mit meinem Freund zu sein. Begegnet sind wir uns in einem Kurs, der auch noch für einige Monate bis Mai 2025 weiter gehen wird, im Abstand von ca. 3-4 Wochen.
Rückblickend betrachtet ging es wirklich sofort los.. Schon am ersten Abend hat es mich gestört, dass noch jemand anderes außer uns mit zum Abendessen mit dazu kam. Bereits in der ersten Nacht hab ich was von ihr geträumt (was irre war, denn was ich da träumte entsprach auch noch der Wahrheit, obwohl ich es gar nicht wissen konnte)..Ich war enttäuscht, dass ich nicht ihre Tandem Partnerin für ein Projekt wurde..ich war glücklich dass wir unsere Nummern mehr oder weniger zufällig im Kontakt durch andere Teilnehmerinnen direkt ausgetauscht haben. In der Nacht vor dem 2. Kurswochenende hab ich geträumt, dass sie mich ignoriert, und das war schrecklich..das hat sie in der Realität zum Glück nie, im Gegenteil smiling smiley
So richtig geschnallt, was los ist, hab ich aber erst am 2. Wochenende.

Denn während dieses 2. Wochenends sind meine Gefühle explodiert. Ich finde sie soo schön, warmherzig, humorvoll, und ich hab soo eine starke Anziehung entwickelt. In ihren Augen liegen so viele verschiedene Welten, es ist einfach bezaubernd..

Sobald mir klar wurde, dass ich verliebt bin, habe ich direkt eine Freundin eingeweiht, um jemanden zum Reden zu haben und mich zu sortieren. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht an meiner Beziehung gezweifelt, auch wenn sich im Laufe der vergangenen Monate vor dem Kurs eine seltsame Unzufriedenheit in mein Leben geschlichen hatte, die ich gar nicht greifen konnte. Heute weiß ich, dass mir unter anderem emotionale Nähe zu meinem Freund fehlte. Auch sexuell lief immer weniger. Unsere Basis war und ist aber echt gut gewesen. Wir sind jetzt ca. 3 Jahre zusammen, leben seit 2 Jahren zusammen, sind zusammen in eine neue Stadt gezogen, und ich war das erste Mal für längere Zeit wirklich glücklich in meiner Beziehung. Auch in der Sexualität habe ich Erfüllung erlebt.

Und nun? Nun ist dieses Tor für Frauen wieder aufgegangen. Das war schonmal offen, für ca. 3 Jahre mit Mitte 20. Nachdem eine Frau zu mir sagte: "es kommt nicht drauf an ob Mann oder Frau, es kommt auf den Menschen an" Dieser Satz eröffnete mir eine neue Welt, es war als wäre ein Rolladen hoch gegangen, von dem ich gar nicht wusste, dass es ihn gab. Mit dieser Frau war es leider zu Ende, bevor es richtig angefangen hat, aber ich war ab diesem Zeitpunkt nur noch an Frauen interessiert. Einige Zeit später habe ich mich richtig verliebt, aber auch hier wurde es leider nichts. Irgendwann hatte ich dann auch 1 Jahr lang eine Beziehung mit einer Frau, das war aber eher toxisch von der menschlichen Seite her, und nachdem diese Beziehung vorbei war, war dann dieses Tor wieder zu. Der Rolladen unten. Ein Mann tauchte auf, die Frauen waren wieder raus. Das war 2017. Seitdem waren wieder nur Männer Thema, und ich dachte das war halt so eine Phase mit den Frauen.

Und jetzt - jetzt ist es mit aller Macht wieder aufgebrochen. Ich kann mich nicht erinnern, so eine Tiefe und Sehnsucht bei einem meiner Partner empfunden zu haben, so viel Schönheit in ihnen gesehen zu haben. Ich bin normalerweise auch nicht primär sexuell interessiert gewesen, sondern die Lust ergab sich dann im Verlauf. Das ist jetzt auch anders..ich habe immer wieder Bilder in mir, wie sie mich berührt. Und in zarten Ansätzen ist das auch schon Realität geworden, die sich tatsächlich genau so (und noch viel schöner) anfühlt wie meine inneren Bilder..

Und ganz unabhängig von ihr stelle ich fest, dass ich Frauen jetzt grundsätzlich wieder anders ansehe, während mich Männer nicht interessieren. Mein Freund ist plötzlich zu einem lieben Menschen, wie einem guten Freund an meiner Seite geworden, den ich soo gerne in meinem Leben habe, die Tage und das Leben sind so schön mit ihm, aber ich habe keinerlei Wunsch mehr mit ihm intimer zu werden als zu kuscheln. Er weiß mittlerweile von meinen Gefühlen, und er bemüht sich so sehr, reflektiert, was schief gelaufen ist, und versucht mich zu halten. Nur je länger die Zeit fortschreitet, je öfters ich Anne sehe, desto mehr zieht es mich zu ihr, bzw. uns beide zueinander.

Ich habe einfach so eine Angst die falsche Entscheidung zu treffen.
Der Klassiker irgendwo.. Sicherheit versus Ungewissheit..
Aber mein Freund ist einfach echt ein toller toller Mensch, und wir passen in vielen Hinsichten echt gut zusammen und haben eine sehr gesunde und erfüllende Beziehung gehabt lange Zeit. Das waren einfach tolle drei Jahre.
Und dann kommt diese Frau in mein Leben und stellt alles auf den Kopf..und sie hat auch noch Interesse, was hätte ja auch anders sein können!
Und ich frage mich auch, ob ich doch eher Frauen mag. Schon immer hab ich eher Schauspielerinnen angesehen, oder Tänzerinnen, und die Male, die ich in Frauen verliebt war, war es wirklich sehr tief und intensiv. So wie jetzt.
___

Wenn ich meinen Text lese, bekomm ich gerade den Impuls mir selbst den Mut zu geben, das Neue zu wagen.
Aber Verliebtheit ist nunmal was anderes als Langzeit Beziehung! Das ist mein Hemmschuh. Verliebtheit macht blind. Sie ist stark. Ein Hormoncocktail. Und ich habe Angst vor einem bösen Erwachen, wenn die rosarote Brille ab ist. Und dann hab ich selbst was Wundervolles kaputt gemacht, weil ich so blind war..

Danke fürs Lesen <3
Trennungsschmerz - "und also existiere ich und atme und finde: das war gar kein schlechter Anfang"
12. Dezember 2024 20:33
Und manchmal entscheidet dann der Andere für uns.
Das hier geht an all die, die gerade in Trennung sind.

Ich bin seit gestern getrennt. Einen Tag nach meiner Nachricht oben. Mein Freund konnte meine Distanzierung zum ihm und gleichzeitige Annäherung zu Anne nicht mehr aushalten. Ich kann es verstehen.

Und ich weine, halte es nicht aus, und doch halte ich es aus. Gehe arbeiten. Sehe innere Bilder von uns an jedem Platz unserer Wohnung. Weine wenn ich in die Küche gehe und den Kühlschrank öffne. Beim Autofahren. Unter der Dusche. Am besten ist draußen sein, arbeiten.
Ein Teil von mir ruft so sehr nach ihm, will ihn unbedingt zurück. Ein anderer weiß genau: wenn ich das mache, sitze ich nach 3 Tagen wieder da und denke an Anne.

Also heißt es durch gehen durch den Schmerz. Er wird weniger werden. Stück für Stück. Denn erst wenn der Trennungsschmerz weniger wird, kann ich wissen was ich will. Jetzt will natürlich mein ganzes Bindungssystem zurück zu ihm, den alten Zustand wiederherstellen. Aber den gibt es sowieso nicht mehr. Also gibt es entweder irgendwann einen "neuen" gemeinsamen Zustand, oder eben auch nicht.
Jetzt heißt es erstmal diese Phase überstehen.

Und ich höre innerlich immer wieder diesen Satz: "und also existiere ich und atme und finde: das war gar kein schlechter Anfang". Ein Song zum Mutmachen:

[www.youtube.com]
Re: doch lesbisch? verliebt trotz schöner beziehung - was tun?
14. Dezember 2024 19:14
Liebe Susanne. Deine Geschichte und dein Udate haben mich sehr bewegt. Vielleicht weils mir ähnlich geht. Aber ich hab noch keine Geschichte für hier zusammen bekommen. Wie geht's dir? Darf ich fragen,wie es jetzt mit Anne weitergeht? Dein Update klang so stark.
LG Stups
Tag 5
15. Dezember 2024 10:18
Liebe Stups,

die letzten drei Tage waren so voll von so vielen Zuständen und Erkenntnissen, ich versuche das mal in Worte zu packen.

Es war wichtig, dass ich die Trauer zulasse und auch mit Anderen teile. Das Gefühl war wirklich als wäre jemand gestorben, und damit sollte niemand alleine sein. Ich habe mit Freunden geredet und auch ein paar Kollegen davon erzählt, vor allem da wir am Freitag auch noch Weihnachtsfeier hatten. Meine Kollegen haben mich super abgeholt. Als es irgendwann ans Tanzen ging und ich sagte: "Boar da muss ich bestimmt wieder weinen" sagte meine Kollegin nur: "na und, dann weinst du halt!" Das war echt gut. Ich wurde mit meinem Zustand angenommen. Und habe auch immer wieder geweint. Und ich habe eine Freundin, die kann ich gerade immer anrufen, wenn mich die Trauer überwältigt, was ich auch schon ab und zu gemacht habe. Für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar.

Übrigens was das Thema Outing angeht - das war überhaupt kein Ding! Als die Anderen mich fragten, woher ich denn "den anderen Mann" kenne, hab ich einfach korrigiert und gesagt, dass es eine Frau ist. Das Einzige, was ich gesehen habe, war ein Moment kurzer Überraschung, und das war´s! Thema abgehakt. Und das sogar auf dem Dorf...

Was mir auch noch geholfen hat, war, hier ein bisschen die Möbel umzuräumen. Ich konnte die letzten Tage den Raum, den er viel genutzt hat, gar nicht betreten (das mache ich auch bis jetzt noch nicht), und das Wohnzimmer auch nicht. Gestern habe ich das Wohnzimmer dann umgeräumt, und jetzt kann ich den Raum auch wieder nutzen, jetzt ist er mehr "mein Raum" geworden, als der Raum aus der gemeinsamen Zeit. Das ist echt krass wie viel solche kleinen Dinge helfen können.

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Jetzt wird es etwas komplexer und steigt in die Welt von Bindungstrauma ein, denn ich glaube, dass das gerade eine große Rolle spielt, bei allem was hier passiert.
Ich habe als frühes Bindungsmuster gelernt, dass ich mich sehr auf meine Bezugsperson fokussieren muss um die Bindung aufrecht zu erhalten. Das führt in Folge zu einer ÜBERfokussierung und dazu, dass das betroffene Kind nicht lernt, sich selbst zu fühlen, mit seiner Aufmerksamkeit (auch) bei sich zu sein. Diese Überfokussierung ist sehr anstrengend und oft sucht sich der Mensch dann eine Ausstiegsmöglichkeit: den Anderen abzuwerten ODER den Fokus auf eine andere Person zu verlagern.

Und ich glaube, Letzteres ist mir hier passiert. Bzw. es ist ein Teilaspekt. Seit ich hier alleine bin in der Wohnung und klar ist, dass wir fürs Erste getrennt sind, fühle ich nämlich neben dem ganzen Trennungsschmerz gleichzeitig noch ein anderes Gefühl, das noch schwer zu greifen und zu beschreiben ist. Es ist als würde ein Teil von mir wach werden, der während der Beziehung wie unterdrückt war, und zwar ganz automatisch. Und der so dankbar ist, dass er wieder auftauchen kann! Und das geschah übrigens ohne jeglichen Druck meines Partners, was ich sehr wichtig finde zu erwähnen! Es gibt nämlich viele Partner, die ihre Partner deckeln und ihnen ihre Freiheit nehmen.

Um auf deine Frage zu Anne zu kommen:
Seit der Trennung fühle ich tatsächlich gerade keine Verliebtheit mehr. Denn aktuell dominiert der Trennungsschmerz, zusammen mit diesem noch nicht greifbaren Gefühl. Es ist klar, dass ich gerade erstmal Raum brauche, um die Trennung zu verarbeiten. Ich habe mit Anne gestern telefoniert, und es war sehr schön, warm, ich hab mich total wohl gefühlt, aber es war ohne Verliebtheit und mit dem klaren Gefühl, dass ich erstmal Raum brauche, um mein Inneres zu sortieren. Jetzt, nach der Trennung, und mehr bei mir, kann ich Anne als Menschen überhaupt erst langsam kennen lernen.

Für mich selbst ist klar, dass ich mich in Ruhe meinem Bindungsmuster zuwenden muss, egal mit welchem Menschen ich später in Beziehung treten werde. Denn wenn ich daran nichts ändere, werde ich mich künftig immer wieder überfokussieren, mich vielleicht wieder fremd verlieben in der nächsten Beziehung, und mich am Ende trennen, weil ich mich selbst wieder auf dem Weg verloren habe.. ganz unabhängig davon, welcher Mensch da an meiner Seite ist.

Ich werde mit beiden in Kontakt sein - mit viel Raum für mich dazwischen - und dann schauen wir was die Zeit bringt.
Ich bekomme gerade das Vertrauen, dass Schmerz auch immer wieder gehen kann.
Dass es gar nicht so schlimm ist wenn es auch mal weh tut. Es geht auch wieder vorbei!
Und dass es immer irgendwie weiter geht.
Keine Situation bleibt für immer gleich.

Wir haben oft so eine Angst uns Trauer und Schmerzen zu stellen, versuchen sie unbedingt zu vermeiden, in so vielen Varianten..
..Und verpassen dabei uns selbst zu fühlen, wirklich weiter zu gehen und Neues zu erfahren im Leben, uns besser kennen zu lernen.. wirklich lebendig zu sein.

Ich hoffe, das ein oder andere kann dir ein bisschen helfen und Zuversicht geben, und ich will dir Mut zusprechen auch was zu schreiben. Ich finde es hilft! smiling smiley
Weihnachten bei ihr, und Weihnachten allein <3
25. Dezember 2024 20:28
Das mit der verflogenen Verliebtheit hat sich nur über den ersten starken Trennungsschmerz gehalten!Jetzt ist sie mit Wucht wieder gekommen. Ich hab sie kurzfristig besucht, und es war einfach nur schön.
So habe ich einen Teil von Weihnachten mit ihr verbracht, den Heiligen Abend selbst im Zug (sehr empfehlenswert, die Züge sind leer! winking smiley) und die Feiertage nun allein. Das erste Weihnachten ohne den typischen Familienwahnsinn - einfach nur gut!!!
Dieses Jahr hatte ich gegenüber meiner Familie durch die ganzen Ereignisse das erste Mal den Mut gehabt einfach zu sagen: ich bin raus, ich komm nicht! Und jetzt mache ich mir zwei schöne Tage zuhause, so wie es mir gefällt. Bisher ist es das entspannteste Weihnachten ever smiling smiley

Ich will gerne kurz noch das Thema Sexualität aufmachen. Ich dachte, ich bin klar und voll ok damit Frauen zu mögen, auch sexuell. Aber jetzt wurde mir klar, dass dem gar nicht so war bisher! Und dass ich mich in den vergangenen Jahren teilweise aus Enttäuschung heraus von den Frauen wieder abgewendet habe. Mit Mitte 20 war ich das erste Mal in eine Frau verliebt, und im Laufe der Jahre waren es einige. Ich konnte aber bei keiner so richtig landen. Manche waren einfach hetero, andere hatten Angst oder es war ihnen zuviel. Das hat mich und mein Erfoschen ja auch total gebremst.
Jetzt ist es ganz anders. Anne´s Begehren ist so selbstverständlich, dass es mich total entspannt hat und in mir das Gefühl hoch geholt hat: "du darfst, es ist ok!" Erst als das hochkam wurde mir klar, dass es vorher anders war! Dass ein Teil von mir immer noch verinnerlicht hatte, dass es nicht okay ist eine Frau zu begehren. Und dass ein anderer, enttäuschter Teil, der nie wirklich irgendwo landen durfte mit seiner Lust und der lange resigniert und stumm in einer Ecke meines Inneren saß, sich nun langsam aufrichtet und genau beobachtet, was gerade passiert..
Ich kann nichts beschleunigen
29. Dezember 2024 10:37
Viele von euch stecken in ganz anderen Situationen glaub ich, sind (noch) in der bestehenden Beziehung, viele mit Kindern. Bei mir ist das so ganz anders. Ich hoffe, es bringt trotzdem jemanden was, wenn ich hier ein paar Entwicklungen schreibe. Ansonsten vielleicht wenigstens mir selbst.. winking smiley

Heute Nacht hab ich realisiert, dass ich mich selbst total dafür verurteile und auch nicht akzeptiert hab, dass ich mich nicht für meine doch so gute Beziehung zu meinem Partner entschieden habe. Dass diese Teile nicht "stark genug" waren, sich durchzusetzen. Ich akzeptiere nicht, dass andere Teile von mir das mit IHR unbedingt erfahren wollen und bereit sind, meinen Partner dafür ziehen zu lassen. Und diese verschiedenen Teile führen die ganze Zeit einen inneren Kampf, mal gewinnt der eine Teil, mal der andere. Ich glaub das wär total wichtig, diesen verschiedenen Teilen mal Raum zu geben. Herauszufinden, was die überhaupt wollen..denn sonst renn ich am Ende ewig mit "zwei Seelen in meiner Brust" herum. Ich hab letztens ein Nachtcafe gesehen, da war Andreas Renz zu Gast, der einfach 6 Jahre lang eine Doppelbeziehung hatte - mit dem Wissen der Frauen, die auch beide dageblieben sind - weil er einfach nicht geschafft hat, sich von einer der beiden Personen zu lösen. Er kam erst durch eine Therapie raus aus dem Dilemma. Ich steh da zwar erst ganz am Anfang, aber ich konnte so nachfühlen wie es ihm ergangen ist..

Ich wollte bis gestern die Entwicklungen (unbewusst) am liebsten total beschleunigen, damit ich endlich weiß, wohin es geht. Möglichst schnell herausfinden, ob das mit ihr Substanz hat oder nicht. Also wieder möglichst bald treffen. Aber die beiden beteiligten Personen haben dem einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil BEIDE gerade aus verschiedenen Gründen kein Treffen wollen in den nächsten paar Wochen. Das hat mich sooo ausgebremst, auf mich zurückgeworfen und die nächste Welle an Trennungsschmerz ausgelöst, vor der ich die letzten Tage davongelaufen bin, ohne es zu merken. Ich hab wohl versucht die weiteren Trennungsprozesse aufzuhalten, indem ich ganz schnell weiter mache um vielleicht ganz schnell wieder zurück in die Beziehung zu meinem Partner zurückzugehen..ich habe quasi versucht ins Wasser zu springen aber wollte dabei nicht nass werden. Anne sagte gestern zu mir, in einem ganz anderen Kontext, aber auch da passte es: "Das fühlt sich an als würdest du versuchen den Fluss des Lebens zu beschleunigen"

Ich kann die Trennung nicht umgehen, bin ja schon mittendrin
Kann nichts beschleunigen oder kontrollieren.
Und vor allem kann ich nicht vor mir selber weg laufen, was doch immer wieder passiert, ohne dass ich es merke.
Eine lange Reise, die noch nicht zu Ende ist
22. März 2025 12:01
Mittlerweile sind 3 Monate seit dem letzten Update vergangen, und 6 seit ich mich verliebt hab.
Und ganz oft kamen Dinge irgendwie anders, als mein Kopf sich die vorher so überlegt hat.

Im Januar hatte ich zu beiden den Kontakt abgebrochen. Ich brauchte dringend mal Pause nur für mich. In dieser Zeit hab ich viel von meinem Partner geträumt und war viel traurig. Die Verliebtheit zu ihr ging in der Zeit total zurück, und ich hatte mich entschieden, dass ich die Beziehung zu meinem (Ex)Partner nicht aufgeben möchte.

Dann ist was Verrücktes passiert: ich habe IHN Ende Januar ganz zufällig an einem großen Hauptbahnhof getroffen, als ich eine Freundin von mir abholen wollte. Wir sind dann zu dritt für ein paar Stunden unterwegs gewesen. Und dabei konnte ich an mir etwas Seltsames beobachten: dass ich ihm irgendwie ausweiche! Wegschaue. Etwas in mir wollte nicht richtig in Kontakt zu ihm gehen, und das obwohl ich mir vorher sicher war, dass ich mich für ihn entschieden habe. Außerdem sind mir ein paar Dinge an ihm aufgefallen, die mich zu Beginn unserer Beziehung etwas gestört hatten, die ich aber im Laufe der Zeit nicht mehr wahrgenommen habe, weil der Rest auch einfach so gut lief und diese paar Punkte nicht so wichtig waren. In dieser Situation fielen mir diese Eigenschaften aber wieder total auf und störten mich. Was mich mega verwirrt hat.

Mit ihr wiederum kam es dann auch ganz anders, als gedacht. Ich dachte, dass wenn ich sie zum Kurs wieder sehe, ich mich entweder wieder so verlieben würde wie vor einem Monat, oder, falls das nicht passiert, mir vielleicht auffällt, dass sie eigentlich gar nicht zu mir passt, weil ich mit klarerem Blick schaue und ein paar Facetten sehe, die mir vorher durch die rosarote Brille verborgen blieben.
Beides ist nicht passiert! Sondern die Verliebtheit wurde zu einem ruhigeren, wärmeren, breiteren und zarterem Gefühl. Und ich hab viel gefunden in unserem Miteinander, das total passt.
Tja, Vorstellung und Realität, wie sie voneinander abweichen...

In den Wochen danach habe ich eine Entscheidungspause gelebt. Bin nicht mit der unglaublich belastenden Frage, wie es weiter gehen soll, in die Treffen mit beiden gegangen, sondern mit dem Gedanken: ich treffe den Menschen und verbringe Zeit mit ihm. In dieser Phase hat sich eindeutig gezeigt, dass ich keine körperliche Nähe mehr suche zu ihm. Dass ich Kontakt und Austausch mag, aber keine Sehnsucht nach mehr habe. Mit ihr das Gegenteil. Sehnsucht nach Kennen lernen, und je mehr ich sie kennen lerne, umso stimmiger fühlt es sich an.

Nach einem Treffen mit ihm vor knapp 3 Wochen musste ich direkt danach total weinen. Ich habs erst gar nicht verstanden, was los ist. Bis ich dann gemerkt hab: gerade ist was passiert. Gerade hab ich gespürt, wie weit ich schon aus der Beziehung zu ihm ausgestiegen bin.

Dennoch gibt es soooo einen Widerstand in mir, den letzten Schritt zu gehen. Das ist zum ersten Mal so in meinem Leben und verwirrt mich total. Es war aber auch die beste Beziehung meines Lebens bisher. Früher gab es immer "gute Gründe", meine Partner zu verlassen. Diesesmal gibt es "nur"ein: ich will jemand anderen mehr...und habe große Angst, doch falsch mit der Entscheidung gegen ihn zu liegen.

Ganz unabhängig von diesen beiden Menschen wird sich mein restliches Leben auch sehr verändern, und das ist beängstigend und tut gleichzeitig sooo gut!!! Und zwar zieh ich hier weg. So richtig. Dieser Ort hier war unser gemeinsamer Ort, und ich habe hier noch kaum soziales Netzwerk aufbauen können in der kurzen Zeit, die wir hier gelebt haben.
Also weg aus der gemeinsamen Wohnung, der Region. Job kündigen, und Umzug von Kleinstadt/Dorfleben in eine große Stadt. Hin zu mehr Vielfalt.
Erst vor ein paar Tagen habe ich diese Entscheidung getroffen. Seitdem fühle ich mich endlich wieder so richtig wie ich selbst!! Seit dieser Entscheidung fühle ich mich so unglaublich viel leichter, ganz unabhängig davon, was in meiner Beziehungswelt zukünftig stattfindet.

Ich lerne mich immer mehr kennen, hab ich das Gefühl. Verstehe erst jetzt langsam, dass der Ort, an dem ich lebe, auch eine große Rolle spielt! Ja, ich brauche Platz und Natur, aber ich brauche auch Menschen! Und zwar offene, bunte, vielfältige Menschen. Das hab ich bisher irgendwie nicht so richtig wahrgenommen.. Diese ganze Phase bedeutet so viel mehr als mich zwischen zwei Menschen zu entscheiden! Sie ist wie eine Reise zu mir selbst.
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