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Mitte 30, verheiratet, Kinder ... und plötzlich lesbisch? Die Suche nach Antworten und Hilfe!

geschrieben von Confused33 
Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier und auf der Suche nach Antworten. Ich stehe an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich 1. nie sein wollte und 2. es nie hab kommen sehen. Es kostete mich schon viel Kraft mich hier anzumelden und hoffe nun einfach, dass mich eure Antworten bzw. eure eigenen Erfahrungen in irgendeiner Weise weiter bringen.

Nun zu meiner Geschichte:

Ich bin Mitte 30 und voriges Jahr hat sich mein Leben und das wer ich bis dahin geglaubt habe zu sein um 180 Grad gedreht.
Ich habe meinen Mann als Teenager kennengelernt und bald darauf geheiratet, weil ich mir sicher war, meinen Traummann gefunden zu haben. Mittlerweile sind wir 15 Jahre ein Paar und sind durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Vor sechs Jahren kam unser Sohn zur Welt, der unser Glück komplettierte. Vor ein paar Jahren haben wir ein Haus renoviert für das wir Schulden aufgenommen haben und noch beim Unterschreiben des Kreditvertrages war uns klar, dass wir unser Leben gemeinsam verbringen wollen/würden. Alles war eigentlich perfekt, nur irgendwie war ich immer auf der Suche nach etwas. Ich wollte immer wissen, wie mein Leben die nächsten Jahre weiter geht. Irgendwie war ich nie wirklich ... schwer in ein Wort zu fassen ... zufrieden (?), dabei hatte ich alles und viel mehr um glücklich zu sein - einen wundervollen Mann, einen gesunden Sohn, ein tolles zu Hause und eine wundervolle Familie.

Letztes Jahr machte ich dann eine Geschäftsreise mit meinen Kollegen. Eine junge Frau (Mitte 20, nennen wir sie mal Hanna) setzte sich zu uns und nach kurzer Zeit an einem Tisch voller für sie fremder Leute, machte sie mit einer simplen Bemerkung ziemlich klar, dass sie lesbisch ist. Und plötzlich „sah“ ich sie. Sie hatte ein umwerfendes Lächeln, war sehr intelligent, attraktiv und hatte einen tollen Humor. Ich muss dazu sagen, ich war mir immer sicher, dass ich hetero bin. Ja, ich fand Avril Lavigne als junger Teenie echt heiß und ich hatte vor ein paar Jahren sehr (ok viel zu sehr) für eine Sängerin geschwärmt. Ich hab alle Folgen von The L Word gesehen und fand es „spannend“ winking smiley aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich
mit einer Frau intim werden könnte. Wie denn, ich bin ja hetero und seit einer Ewigkeit glücklich verheiratet.

Hanna und ich verstanden uns auf Anhieb gut, wenn wir auch nicht allzu viel Zeit hatten, miteinander zu reden. Am Ende des Abends war ich die Einzige von all den Leuten, die sie nach der E-Mail-Adresse fragte. Ich gab sie ihr und sie mir ihre. Ist ja ganz harmlos, sie ist eine Frau und ich auch, nicht wahr? Bereits an diesem Abend im Hotelzimmer merkte ich aber, dass ich nicht mehr aufhören konnte, an sie zu denken und wunderte mich über mich selbst. Zuhause angekommen schrieb ich ihr und wir begannen uns täglich zu schreiben. Eine Woche lang belog ich mich selbst ... hey, sie ich nur eine Freundin ... aber irgendwann wurde mir klar, ich hab mich total in sie verliebt. Sie eröffnete mir, dass sie in ein paar Wochen nach Amerika gehen würde um dort noch weitere 4 Jahre zu studieren. Ich konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, ich musste sich noch ein letztes Mal sehen. Ich lud sie ein, ein Wochenende mit mir und meiner besten Freundin zu verbringen. Meinem Mann erzählte ich nichts von Hanna. Wir verbrachten ein tolles Wochenende und ja, wie landeten im Bett. Ich hatte meinen Mann noch nie auch nur annähernd betrogen und hätte bis dahin meine Hand für mich selbst ins Feuer gelegt. Ich wusste, es was falsch, aber ich konnte mich gegen diese tiefen Gefühle nicht wehren. Ich war bis über beide Ohren in diese Frau verliebt. Die Nacht mit ihr war atemberaubend, warf aber plötzlich mehr Fragen auf, als sie beantwortete.

Mein Mann und ich hatten immer schon sehr wenig Sex, was an meiner Unlust lag, keineswegs an seinen Qualitäten. Für mich war Sex eher eine Notwenigkeit, ein Haken auf dem Kalender. Auch wenn es schön war, kam der erste Schritt dafür nie von mir. Ich fragte mich immer, wieso ich so bin, hatte zeitweise sogar mit diversen Mittelchen versucht meine Libido zu steigern - vergeblich. Aber immerhin gibt es ja viele Frauen, die mit sexueller Unlust kämpfen, nichts Unnatürliches also.
Und dann war da diese Nacht mit dieser Frau. Kein „wieso kann ich mich nicht fallen lassen“, kein „ich muss den Kopf abdrehen und einfach genießen“, kein „eigentlich will ich dieses oder jenes nicht“ sondern einfach nur dieses unsagbare gegenseitige Begehren. Ich merkte, dass sich nichts seltsam anfühlte - es passte einfach.
Uns war allerdings beiden klar, dass es nur diese eine Nacht geben würde und ich danach wieder in mein altes Leben zurück musste, nur schafften wir es beide nicht. Die Gefühle auf beiden Seiten waren einfach viel zu groß. Wir videotelefonierten jeden Tag, auch als sie bereits in Amerika war. Das ganze ging 2 Monate lang gut. Auch wenn sie mich unglaublich glücklich machte, machte mich alles rund um mich herum unglücklich. Ich bin eigentlich ein treuer und grundehrlicher Mensch, dies alles war also ganz und gar gegen meine Natur. Dieses Geheimnis, mein Doppelleben, machte mich wortwörtlich krank. Ich hatte ständig Herzrasen und konnte mich kaum mehr auf meine Arbeit konzentrieren. In einem Gespräch gestand ich meinem Mann, dass ich auf Frauen stand und nicht mehr so weitermachen kann. Für ihn brach die Welt zusammen. Von ihr erzählte ich nichts, trotzdem fühlte ich mich befreit. Nur 2 Tage nach diesem Geständnis erfuhr ich, dass ich schwanger bin und meine Welt brach zusammen. Mir war klar, so konnte es nicht weiter gehen und ich beendete die Beziehung mit Hanna und brach uns beiden damit das Herz. Eine Panikattacke folgte der nächsten, ich konnte nicht mehr arbeiten und fiel in eine Depression. Mein Geheimnis flog letztendlich auf, doch mein Mann wollte mir verzeihen, immerhin hatte ich das mit ihr bereits beendet. 2 Monate später hielt ich meine tiefe Traurigkeit nicht mehr aus und schrieb Hanna ein Mail. Ihr ging es ähnlich schlecht. Wir hatten 2 Monate ausschließlich Mailkontakt. Wieder führte ich ein Doppelleben, Herzrasen war mein ständiger Begleiter. Irgendwann brach es unter Tränen wieder aus mir heraus und ich sagte meinen Mann, ich glaube, lesbisch zu sein und kann so nicht weiter machen. Ich nahm den Telefonkontakt zu ihr wieder auf und parallel dazu hatten mein Mann und ich Termine beim Scheidungsanwalt. Hanna wollte sich in der Zwischenzeit für ein Studium bewerben, das nicht tausende Kilometer von meinem Heimatort entfernt lag. Bald überrollte mich alles und ich wollte nur noch vor allem davonlaufen. Es war einfach alles zu viel. Realisieren, dass ich ganz und gar nicht hetero bin, ein Doppelleben führen, eine Depression, Angst meine bis dato heile Familie zu verlieren, das Haus zu verlieren, mein schlechtes Gewissen, alles kaputt gemacht zu haben, meine Schwangerschaft und baldige Geburt ... ich hatte panische Angst und habe zurück gerudert. Mein Mann stellte mir ein Ultimatum, ist sollte mich jetzt entscheiden und ich sah nur einen - vermeintlich leichtern - Weg und brach Hanna damit zum 2. Mal das Herz, obwohl ich sie so sehr liebte. Dies ist nun 4 Monate her. Meine Tochter wurde vor ein paar Wochen Gott sei Dank gesund geboren. Mein Mann und ich haben ständig Gespräche, wie das alles weiter gehen soll und ich bringe kaum ein Wort raus, stattdessen breche ich ständig in Tränen aus. Ich halte ihn seit unzähligen Monaten auf Abstand, weil ich Körperlichkeit nicht aushalte. Ich weiß nun, dass ich Frauen in einer Weise begehre, die ich nie für möglich gehalten habe. Seit ich das weiß, sehe ich Frauen auch mit anderen Augen. Endlich ist mir klar, warum ich männliche Geschlechtsteile immer eher abturnend fand, während ich Brüste immer schon wunderschön fand. Aber ich hatte mich bis dato immer nur in Männer verliebt, wie hätte ich etwas ahnen sollen? Wie kann es sein, dass ich erst mit Mitte 30 „aufwache“? Ich hab einen wundervollen Ehemann und 2 süße Kinder und bin doch nicht „komplett“. Mein Ehemann ist plötzlich nur noch mein bester Freund und das wird ihm auf Dauer nicht genug sein. Um meine Familie zu retten hab ich einer Frau weh getan, die ich über alles liebte. Ich versuche das zu verdrängen und schaffe es doch keinen einzige Tag sie aus meinem Kopf zu bringen. Mein Mann merkt das, fragt immer wieder, ob ich noch Kontakt zu ihr habe und ich kann ehrlich sagen Nein. Er stellt mir aber nie die Frage, ob ich sie vergessen kann ... wahrscheinlich weil er die Antwort darauf ohnehin kennt.
Ich bin so hilflos, traurig und verloren. Ich weine jeden Tag und frage mich, wie es so weit kommen konnte. Meine Welt steht Kopf. Mein Mann weiß, dass ich auf Frauen stehe, bleibt aber bei mir, weil ich nicht weiß, wie ich alles ohne ihn schaffen soll. Nichts ist mehr wie zuvor. Ich war bei zwei Psychologen und immer wieder kam die Frage „Wie stellen sie sich vor, wie das weitergehen soll? Was ist ihr Plan?“
Tja, ich hab keinen Plan. Ich warte einfach ab und lasse die Tage vergehen ... einen nach dem anderen ... und warte darauf, dass alles leichter wird ...

Ich bin für jede Antwort dankbar. Bitte keine Vorwürfe, die mache ich mir selbst schon genug.

Danke fürs Lesen!
Re: Mitte 30, verheiratet, Kinder ... und plötzlich lesbisch? Die Suche nach Antworten und Hilfe!
19. Juni 2018 18:10
Herzlich willkommen Confused33,

Du schreibst in Deiner Geschichte so vieles, was anderen vor dir auch schon erlebt haben.
Ich kann mich an in meinem Leben an Ereignisse erinnern die deinen sehr nahe kommen.

Alles war eigentlich perfekt, nur irgendwie war ich immer auf der Suche nach etwas

...und wuste nicht was es war.

Hanna und ich verstanden uns auf Anhieb gut

in meinem Fall war es mein Praktikant - der zwar nicht schwul ist, ich aber dennoch auf einmal Gefühle entdeckte, die ich so vorher von mir nicht kannte. Was war das. Hey, das kann doch nicht sein. ....


Immerhin hast Du Confused33 deine Geschichte hier aufgeschrieben. Das bringt deine Gedanken schon mal etwas aus deinem Kopf.
Gut finde ich auch das dein Mann im Grunde bescheid weis, und ihr gemeinsame Entscheidungen treffen könnt.
Was wäre für dich, deinem Mann und deine Kinder eine passende Lösung. Wo keiner auf der Strecke bleibt.

Stell Dir mal vor, wie könnte dein Weg aussehen, wenn alle Bedenken nicht zum tragen kommen.
Blende Sie in deinen Gedanken aus und schreibe einfach mal auf. So ,als ob eine Fee vorbeikommt und dir alle Wünsche erfülllt.

Vorwürfe ? Für was? - Du hast dich in einen anderen Menschen verliebt. Und das kommt schon mal vor. Das es in deinem Fall eine Frau ist, ist eigentlich auch egal. Immerhin kannst du somit ausschließen das euer zweites Kind nicht von dem "Seitensprung" stammt winking smiley

Ich wünsche Dir alles Gute auf deinem neuen Weg.

LG Maks



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.06.18 16:47.
Hallo , tja .....was soll ich zu deiner Geschichte sagen ? Habe ich fast genau so erlebt , war nur noch älter als du.
Jetzt , nach 5 Jahre hat sich mein Leben neu geordnet. War ein weiter Weg. Habe vieles dabei gelernt, mich selber gefunden aber auch einiges an Balast über Bord werfen müssen. Braucht alles seine Zeit. Rückblickend kann ich sagen ist gut so wie's passiert ist. Leicht war es nicht.
Denke du wirst auch deinen Weg finden. ......den Anfang hast du ja schon gemacht.
LG Daniela
Danke Maks und Daniela für eure Antworten.
Der Weg ist lang und steinig und könnte ich nur ein paar Komponenten auslöschen, wäre es so viel einfacher. Aber das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Verglichen mit dem, womit andere kämpfen müssen (Krankheit, Tod ...) werden meine Probleme ganz klein, aber jeder lebt eben in seinem eigenen Hier und Jetzt.
Ich weiß im Moment nur, dass ich Zeit brauche. Ich merke immer mehr, wie sehr es mich zu Frauen hinzieht. Neulich bekam ich von einer süßen Verkäuferin eine Dose Bier als Kostprobe geschenkt und hab erst danach bemerkt, dass ich mich anders verhalte, wenn eine hübsche Frau mit mir spricht. Bis vor einem Jahr waren Frauen praktisch unsichtbar für mich (obwohl ich immer schon in jeden Ausschnitt gelinst hab, hihi).
Manchmal frage ich mich selbst, kann das wirklich sein? Aber Fakt ist, ich habe noch nie jemanden so sehr begehrt wie Hanna. Ich dachte immer, ich sei vielleicht einfach frigide und plötzlich tritt diese Frau in mein Leben und ich will das alles so sehr. Ich finde Männer immer noch attraktiv, aber eben nur vom Kopf bis zum Bauchnabel. Hätte mir da früher ein Licht aufgehen sollen? Aber ich sollte nicht hadern, wäre mir das alles früher klar geworden, hätte ich meine beiden entzückenden Kinder nicht, also kann nichts ein Fehler gewesen sein.
Das Schlimme ist, dass es mir auch schwer fällt, meinen Mann gehen zu lassen. Er hat letztens mit einer Frau geredet, die ihn schon öfter angebaggert hat und ich muss zugeben, es ging mir gegen den Strich. Müsste mir das nicht egal sein? Naja, immerhin hat er 15 Jahre mir gehört.
Vielleicht finden sich noch ein paar, die mir antworten wollen. Gerne auch per PN. Würde wirklich gerne wissen, wie andere in einer ähnlichen Situation damit klar gekommen sind, dass plötzlich die komplette Welt Kopf steht und man sich selbst nicht mehr kennt. Wer ist die Frau im Spiegel? Keine Ahnung, aber sich schminke sie trotzdem smiling smiley
Hey, kann dein Gefühlschaos gut nachvollziehen.
Mit der Zeit wirst du die Frau im Spiegel kennen lernen und dabei feststellen das das Leben wieder mehr Struktur und Ordnung bekommt.
Vielleicht findet sich auch ein Weg mit deinem Mann eine wie auch immer geartete Beziehung zu pflegen.
Mein Mann und ich sind heute eine gut funktionierende Wirtschafts- und Erziehungsgemeinschaft. Ein Freund an meiner Seite dir sich immer hinter mich gestellt hat . Ich möchte ihn auch nicht missen.
Glaube es gibt viele Lösungen abseits der konventionellen Lebensmodelle mit denen man glücklich sein kann.
Mir war dabei immer Offenheit und Ehrlichkeit wichtig.
LG Daniela
Liebe Daniela,

genau so möchte ich das auch. Meinen Mann als meinen besten Freund behalten dürfen. Und doch ist dieses Stück für Stück den anderen loslassen eine Art Trauerprozess, den wahrscheinlich niemand nachvollziehen kann, der nicht in der Situation war. Er liebt mich immer noch über alles und ich hab ihn auch sehr lieb, aber eben anders. Wenn ich nur nicht so meine Nerven gegen die Wand gefahren hätte, dann würde mir nicht jeder Gedanke an die Zukunft schier den Atem rauben. Im Moment bin ich wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Ich weiß, ich sollte auf die andere Seite laufen, kann mich vor Schreck aber nicht bewegen.
Re: Mitte 30, verheiratet, Kinder ... und plötzlich lesbisch? Die Suche nach Antworten und Hilfe!
25. Juni 2018 20:12
Hallo Confused!

Confused33 schrieb:
-------------------------------------------------------

> .... Meinen Mann als
> meinen besten Freund behalten dürfen. Und doch
> ist dieses Stück für Stück den anderen
> loslassen eine Art Trauerprozess, den
> wahrscheinlich niemand nachvollziehen kann, der
> nicht in der Situation war. Er liebt mich immer
> noch über alles und ich hab ihn auch sehr lieb,
> aber eben anders.

Das kann ich gut nachvollziehen, bin in einer ähnlichen Situation.

> Im Moment bin ich wie ein Reh im
> Scheinwerferlicht. Ich weiß, ich sollte auf die
> andere Seite laufen, kann mich vor Schreck aber
> nicht bewegen.

Das hast Du gut beschrieben, ich hab mich auch noch nicht bewegen können, deshalb kann ich Dir nicht wirklich raten, sondern Dir nur sagen, Du bist mit Deinem Problem nicht alleine.

Dich zu erkennen und zu akzeptieren, das ist schon der erste und wichtige Schritt. Du wirst Deinen Weg finden!

Confused33 schrieb:
-------------------------------------------------------

> (obwohl ich immer
> schon in jeden Ausschnitt gelinst hab, hihi).

Schön, das mal von einer Frau zu lesen... Wenn man das als Mann zugeben oder dabei erwischt würde, würde mann wohl gleich in die Macho-Ecke gestellt und ein lautes "me too!" hören winking smiley

> ... Ich finde Männer immer noch attraktiv, aber
> eben nur vom Kopf bis zum Bauchnabel.

Kann ich gut verstehen, geht mir mittlerweile auch so...

> Hätte mir
> da früher ein Licht aufgehen sollen?

Das ist ein Blick zurück, der Dir nicht weiterhift. Du bist immerhin jünger als manche hier, die diesen Schritt erst später getan haben.

> Aber ich
> sollte nicht hadern, wäre mir das alles früher
> klar geworden, hätte ich meine beiden
> entzückenden Kinder nicht, also kann nichts ein
> Fehler gewesen sein.

Genau!

Du hast Dich selbst erkannt, Du hast mit Deinem Mann gesprochen, damit bist Du auf dem richtigen Weg.

Du mußt Dir darüber klar werden, welche Zukunft Du Dir für Dich vorstellst, und wenn Du schreibst, daß Du Dir Deinen Mann künftig als Deinen besten Freund wünschst, dann hast Du ja schon eine Vorstellung davon. Hast Du auch das schon mit ihm besprochen?

Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg!

Klaus
Re: Mitte 30, verheiratet, Kinder ... und plötzlich lesbisch? Die Suche nach Antworten und Hilfe!
17. Juli 2018 10:36
Hallo Confused,

willkommen im Club.

Mir ging es genauso ... in der Ehe geparkt mit einer sehr lieben Partnerin an der Seite ... aber Sex, Zärtlichkeit, Begehren ... vorbei ... und brach sich in andere Richtung Bahn (aufkommendes Internet etc.)

Noch ohne es jeh probiert zu haben, musste ich mir selbst eingestehen schwul zu sein (wollte ich aber garnicht ... wer will das schon ... ).

Ich habe dann allen Mut zusammengenommen und es "Ihr" gesagt (mir waren die Konsequenzen egal ... von mir aus die Kinder bei ihr ... aushziehen und bezahlen ... gibt schlimmeres).

Zum Glück hat sich alles zum "Guten" gewendet ... nach 1/2 Jahr Wut, Schwarzem Rauch und schmutziger Wäsche sind wir dadurch ... und immer noch eine Familie ... alle wissen bescheid.

Meine Frau ist nach wie vor meine Beste Freundin ... (wie sie jeder schwule Kerl hat) ... und ich habe sie eben geheiratet.

Wünsche Dir alles Gute für die weitere Zukunft.
Ja, es geht gut aus (fast immer) wenn die persönliche Basis stimmt.

Ganz liebe Grüße
Victor
Hallo Leute,

da ich mich immer ärgere, wenn ich Geschichten lese, die meiner sehr ähnlich sind, aber leider nie erfahre, welches Ende diese gefunden haben, werde ich euch nun erzählen, was bei mir in den letzten Wochen passiert ist.

Nachdem es mir immer schlechter ging habe ich beschlossen, mit Antidepressiva anzufangen, obwohl es etwas ist, dass ich bisher versucht habe zu vermeiden, erst Recht in der Schwangerschaft. Auch meine Autoimmunerkrankung ist wieder ausgebrochen, die sich nur in extremen Stresssituationen meldet. Irgendwie war klar, viel länger würde ich das nicht mehr durchhalten. Nach einem Gespräch mit meinem Mann haben wir vor knapp 4 Wochen beschlossen, dass wir uns trennen müssen. Wir haben beide das Ziel, nicht nur gute sondern beste Freunde zu bleiben. Wir haben uns immer noch lieb, aber eine Beziehung kann so nicht funktionieren. Ich hab wieder Kontakt mit „Hanna“ aufgenommen, nachdem wir 4 1/2 Monate nicht mehr miteinander gesprochen haben. Sie hat mir verziehen, wir lieben uns beide immer noch über alles und auch wenn es naiv klingen mag, wir wollen unser Leben miteinander verbringen. In fünf Wochen bin ich geschieden, mein (Ex)Mann und ich leben weiterhin zusammen, bis wir mit dem Haus eine Lösung gefunden haben. Wir wollen beide für die Kinder da sein. Ich habe mich in der Zwischenzeit mit Hanna getroffen und wir haben ein paar unvergessliche Tage miteinander und mit meiner nur wenige Wochen alten Tochter verbracht. Ein Wiedersehen nach fast exakt einem Jahr. Alle Gefühle, die wir beide vergeblich versucht haben in den letzten Monaten zu verdrängen, waren sofort wieder da. Ich liebe sie über alles, genau so wie sie mich. Wenn man an Seelenverwandtschaft glauben will, dann muss es sich wohl genau so anfühlen. Für meinen Sohn war es im ersten Moment schwer und er war traurig und zornig, jedoch weiß er, dass Mama und Papa weiterhin immer für ihn da sein werden und das ist das Wichtigste für ihn.
Ich bin diesen schweren Schritt gegangen und hab nun endlich das Gefühl, wieder Luft zum Atmen zu bekommen. Ich weiss, es wartet eine schwere und emotional zehrende Zeit auf alle, aber ich bin nun auf dem richtigen Weg. Ich bin nicht mehr das Reh, dass sich im Scheinwerferlicht nicht bewegen kann ... ich hab’s auf die andere Seite geschafft!

Vielen Dank für eure offenen Ohren und eure guten Ratschläge. Danke, dass ihr eure Geschichten mit mir geteilt habt. Ich hab nun fest vor, glücklich zu werden und wünsche allen in meiner Situation, dass sie den selben Mut haben, diesen schweren Weg zu gehen, denn im Endeeffekt wird es sich lohnen. Man hat nur ein Leben und das ist viel zu kurz um unglücklich zu sein!

Liebe Grüße
Confused33 (not so confused anymore)
Liebe Confused,

Erstmal freu ich mich ganz doll für dich, dass du diesen mutigen Schritt gegangen bist und es für dich auch gut ausgegangen zu sein scheint. Ich wünsche euch allen eine wunderbare Zukunft und dass ihr einen Weg findet, mit dem ihr alle leben könnt und das auch gerne tut!

Mir geht es total ähnlich. Ich hab einen kleinen Sohn von anderthalb und vor ein paar Wochen auch meinem Partner gesagt, dass ich auf Frauen stehe. Er war (und ist immer noch) total geschockt und fertig aber wie du auch sagst, wir sind auch schon so lange zusammen (11 Jahre) und einfach auch die besten Freunde.

Wir sind allerdings mitten da drin, zu überlegen, wer wie und wohin auszieht und vor allem, bei wem unser Sohn lebt. Wie werdet ihr das machen? Habt ihr schon eine Idee? Ich finde den Gedanken unerträglich, dass ich aus der Wohnung gehe und er bleibt hier...andersrum weiß ich auch, dass es dem Papa genauso geht (der übrigens auch sagte, dass er mich nienals rausdchmeißen würde und auch nicht will, dass ich einsam in einer anderen Wohnung sitze - Partnerschaft!).

Es ist wirklich nicjt einfach, zu merken, dass man lesbisch oder schwul ist, wenn Kinder da sind, oder?

Maks hat mir hier neulich was schönes geschrieben, und zwar, dass man dem Kind keinen Elternteil nimmt, sondern dass man ja weiter Eltetn bleibt. Vielleicht hilft dir das auch, liebe Confused.

Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wieder von dir zu lesen und zu hören, wie es bei dir weitergegangen ist.

Alles Liebe,

Regenbogenring
Re: Mitte 30, verheiratet, Kinder ... und plötzlich lesbisch? Die Suche nach Antworten und Hilfe!
23. Januar 2019 22:09
Confused das ist so toll zu lesen. Ich habe dir eine pn geschickt. Mir ist das selbe widerfahren. LG Camille
Hallo Confused,

als ich deine Geschichte gelesen habe, dachte ich, ich lese über mich selbst. Zumindest, wenn man Hanna einmal aussen vor lässt. Bei mir gibt es keine andere Frau, alles andere kommt ziemlich genau hin. Leider kann ich dir keine Tipps geben, weil ich noch nicht annähernd so weit bin wie du. Aber ich finde es doch irgendwie beruhigend zu wissen, dass es nicht nur mir so geht. Ich habe schon an meinem Verstand gezweifelt.

Alles Gute für dich

LG
Liebe Confused,

vielen Dank fürs Teilen deiner Geschichte. Wie geht es dir aktuell?

LG
Guten Morgen Confused,

ich habe eben erst Deinen schon etwas älteren Beitrag gelesen und wollte nur nachfragen, wie es bei Dir/Euch so weitergegangen ist.

Ich stehe nämlich vor einem ähnlichen Problem, das ich nicht hätte besser beschreiben können als Du mit Deinen obigen Worten.

Meine Frau und ich sind seit 5 Jahren verheiratet; seit 10 Jahren zusammen. Der Sex stand bei uns nie wirklich im Vordergrund, wenn wir ihn hatten war er aber sehr schön. Wir sind beide um die 40 und dachten angekommen zu sein.

Seit einiger Zeit hat meine Frau eine ältere Freundschaft wieder aufflammen lassen, weil die Freundin aus dem Schwangerschaftsurlaub wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt ist. Beide waren bereits früher Kolleginnen. Sie ist Mitte 30, verheiratet, zwei kleine Kinder und kürzlich noch ein Haus gekauft.

Es begann eine nicht besonders intensive Frauenfreundschaft zu werden. Sie schrieben viel über WhatsApp und vielleicht einmal im Monat trafen sie sich an einem Abend, abwechselnd bei ihr oder bei uns. In beiden Fällen fungierte ich zu nächtlicher Stunde als Fahrer und holte bzw. brachte eine von beiden nach Hause.

Dann begann meine Frau immer häufiger über ihre Freundin zu sprechen, ja sie schwärmte manchmal regelrecht von ihr. Es gab keinen Tag an dem sie nicht über sie erzählte und Lobeshymnen über sie sang.

Sie bastelte selbst Geschenke, aber zu keinem bestimmten Anlass, sondern einfach so. Sie schrieben sich Postkarten mit "Lieblingsmensch" oder "Du bist der wertvollste Mensch für mich...". „... ich wüsste gar nicht was ich ohne Dich machen sollte!“ usw.

Ich habe mich für meine Frau gefreut, weil ihre Freundin vom Wesen her wirklich ein sehr angenehmer Mensch ist. Wir kennen uns vom Sehen.
Sie hat eine Art zurückhaltende Offenheit, die sie interessant macht und darüber hinaus sieht sie als Frau toll aus. Das kann ich als Mann sachkundig einschätzen.

In der ganzen vergangenen Zeit habe ich meiner Frau immer zugeredet und gesagt, dass sie etwas mit ihrer Freundin unternehmen solle, ich würde sie auch überall hinbringen bzw. natürlich wieder abholen.

Der letzte Abend bei ihrer Freundin dauerte dann bis 5 Uhr morgens und beide waren stark betrunken (kann man schon sagen), wobei etwa von 1 Uhr bis 4:30 Uhr meine Frau nicht auf meine Nachrichten reagierte. Ich hatte gegen 1 Uhr nur gefragt ob alles in Ordnung sein. Es war ungewöhnlich lang für sie.

Als ich sie abholte (die Freundin öffnete mir im Nachtgewand) war sie wie verwandelt und so kannte ich sie nicht. Sie behandelte mich wie ihren Dienstboten total von oben herab und nach wenigen Sätzen auf der 20-minütigen Fahrt ging sie wortlos ins Bett und schlief ein.

Wir redeten später darüber und sie entschuldigte sich wegen des übermäßigen Alkoholkonsums und ihrem Verhalten mir gegenüber.

Es ist wieder alles wie vorher und wir verstehen uns auch sehr gut, nur sitzt bei mir im Hinterkopf natürlich der Gedanke, das in diesen paar Stunden auch etwas passiert sein könnte, was man dem Partner besser sagen sollte. Wir können eigentlich immer über alles reden.

Das ist meine zweite Ehe (ihre auch) und ich hatte bereits in meiner ersten Ehe und bei einer Freundin vorher Berührungspunkte mit „Sex unter Frauen“.
Meine erste Frau sagte mir lange vor der Ehe, dass sie so etwas nie ausschließen könne, weil sie es einfach schön findet.

Sie erklärte mir in einer nicht zu übertreffenden, detaillierten Deutlichkeit, welche Dinge ein Mann einer Frau in der Beziehung nicht geben kann (und will), so dass sie - bei Bedarf und Mangelerscheinung - diese Defizite gedenke aufzufüllen, soweit sich eine respektable Gelegenheit ergeben sollte.

Keineswegs meinte sie damit kreuz und quer alles zu nehmen was das Angebot hergibt. In den 10 Jahren unserer Ehe hatte sie ein oder zweimal im Jahr eine Verabredung mit immer der selben Freundin, zu der ich sie auch hin brachte und am nächsten Tag wieder abholte. Wir kannten uns und verstanden uns gut – jeder wusste Bescheid.

Das ganze funktionierte wahrscheinlich, weil meine Frau immer sagte, dass es der Sex sei und nicht die Liebe. Es waren wohl die Gespräche, das Verständnis, Berührungen und zärtliches, stundenlanges Streicheln usw., usw. was sie so toll fand. Von einigen anderen Sachen, die die meisten Männer nicht beherrschen (aber es meinen zu können), einmal ganz abgesehen.
Dass sie einmal mit einer Frau zusammenleben würde, schloss sie kategorisch aus, so dass ich mir deswegen keine Sorgen zu machen brauchte und ich auch keinerlei Gefahr für unsere Ehe sah.

Damit will ich nur sagen, dass für mich jetzt nicht die Welt zusammenbrechen würde, falls dort etwas passiert sei – egal was. Es kommt eben darauf an, was für Gefühle vorhanden sind oder waren. Wenn von beiden nun das große coming out kommt; gut, dann ist das so.

Meine Frau ist immer ehrlich zu mir gewesen, da bin ich mir sicher. Sie hat auch mein vollstes Vertrauen und ich werde immer hinter ihr stehen. Deswegen geht es mir etwas schlecht, weil ich ihr unterschwellig in Gedanken einen Fehltritt unterstelle. Aber es könnte auch sein, das tatsächlich etwas war... Oder? Ansprechen möchte ich sie darauf eigentlich nicht.

Sag doch mal Bescheid, was aus Deiner Sache geworden ist, ja!?

Und über alle anderen, die gern etwas dazu sagen würden, freue ich mich. Vielleicht liege ich auch falsch mit meinen Gedanken???

Justus
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