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Zeifel
geschrieben von: nokun@gmx.net (-)
Datum: 08. Februar 2010 14:29

Hallo,

meine Geschichte ist irgendwie vollkommen verrückt und ich kann sie bis jetzt nocht nicht verstehen. Ich bin einfach fassunglos.

Folgendes: ich bin nun 36 Jahre alt. Bis zum Alter von 34 Jahre war ich vollkommen heterosexuell, war absolut nur auf Frauen fixiert und wollte nur Sex mit Frauen. Und es hat Spass gemacht und ich habe nichts vermisst. Ich habe jeder schönen Frau hinterhergeguckt, hatte die schönsten Vorstellungen und versuchte Alles, um an die Frau meines "Verlangens" heranzukommen. Ich hatte überhaupt keine Lust auf Männder, fühlte mich in keinster Weise homosexuell. Dies ist wirklich ABSOLUT wahr.
Vor 10 Jahren habe ich meine Freundin kennengelernt und wir waren sehr glücklich und hatten ein tolles Liebesleben - und mittlerweile auch eine wunderschöne nun 3 jährige Tochter.

Um so merkwürdiger ist dann meine jüngste Geschichte. Als ich dann 34 Jahre alt war kam ich mit einem schwulen Freund ins Gespräch. Über meine Freundin, kannten wir schon seit 6-7 Jahren und ich fühlte mich nie homosexuell in seiner Gegenwart. Auch in Gegenwart seiner Freunde nicht. Ich war in dieser Zeit nach wie vor herterosexuell und das one Zweifel. Nun in diesem Gespräch meinte er nun das er mich homosexuell findet und dies auch schon seine Freunde gedacht hätten. Ich dachte und sagte "na und", sollen sie doch, es war mich völlig egal. Ich hatte nie Probleme oder Vorbehalte gegenübber Schwulen. OK, manchmal machte ich mich, als ich noch etwas jünger war, mit meinen Freunden sogar ein bisschen lustig, z.B. über die Art und Weise, wie einige sprechen. Nun, nach dem Gespräch mit meinem Kumpel kam ich in meiner Wohnung an und auf einmal kamen mir "komische" Gedanken: wieso finden die mich schwul? Es ging los!!! Meine Frau und ich hatten zu dieser Zeit keinen guten Sex, was war nicht wirklich mehr befriedigend. Meine Frau ist auch äusserst dominant, sie regelt alles, ich überlasse ihr die Entscheidungen. Manchmal fühlr ich mich nicht wirklich als der Mann im Haus. Und dann passierte sogar auf einmal, dass ich abends, als ich alleine war, plötzlich Lust hatte, Frauenkleidung anzuziehen. Dies tat ich dann sogar in der Form eines BHs, habe ihn aber nach 2 sek wieder voller Verwirrung ausgezogen. Ich guckte oft Heterosexuellenpronos, fas jeden Tag, denn ich arbeitete zu Hause. Es war schon fast etwas "pervers", diese Pornos sind wirklich nicht unbedingt schön, meist werden die Frauen stark erniedrigt. Aber es kam nun, dass ich Männer länger als sonst anguckte, voll in die Augen und ein Kribbeln kam im Bauch hoch. Und auf einmal guckte ich Frauen nicht mehr so voller Lust an, all die Attribute, die ich so schön und sexy fand, "Ärsche", Brüste etc., "turnen" mich nun nicht wirklich mehr an. In der Tat, sorry, aber ich könnte wirklich "kotzen"!!! Männer fand und finde ich nun interessant. Gucke ich Frauen in die Augen, spüre ich kein Kribbeln. Jedesmal, wenn mir nun ein Mann auffällt und ich im ins Gesicht gucke, fühle ich mich schwul. Und wenn ich dann eine Frau angucke und nichts empfinde, umso mehr schul. Vollkommen verrückt. Dann wollte ich es wissen. Ich guckte nun Schwulenpornos - und fand sie erregend. Ich masturbierte auch. Die Pornos waren irgendwie liebevoller. Ich ging in eine Schwulensauna, in der mehrere Schwule zusammen Videos guckten und danach in Kabinen verschwunden. Auch die Atmosphäre fand ich sehr erregend, aber in eine Kabine wollte ich nicht wirklich - oder konnte ich einfach nicht!!! Es ist total verrückt. Ich gucke nun Männer an, die ich schon lange kenne und finde sie auf einmal anziehend. Trotzdem habe ich manchmal Sex mit meiner Frau und es ist auch schön. Aber rein vom Gefühl sind mir Männer momentan näher.


Tja Leute, es ist schon komisch. So eine Art "Turning-Point" in meinem Leben. Mit 34 Jahren und ohne Vorankündigung. Keine Ahnung, was nun. Manchmal denke ich bin total neurotisch und steiger mich total in diese Sache herein. Ich wünsche mir wieder eine Frau "sexy" zu finden, so wie frühre. Verrückt.

Bis dann, vielen Dank
Peter

Re: Zeifel
geschrieben von: Maris (-)
Datum: 08. Februar 2010 20:34

Lieber Peter,

mir kam bei deiner Geschichte spontan das Gefühl, dass die Homosexualität nicht in dir drinnen war/ist, sondern eher von draußen auf dich projiziert worden ist, dass du dich da tatsächlich irgendwie in etwas hineinsteigerst. Die menschliche Psyche geht so seltsame Wege, manchmal. Du bist mit dieser Einschätzung konfrontiert worden, wurdest hellhörig - und überürüfst dich nun bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit und empfindest dann auch etwas dabei. Es gibt in der Psychologie so ein Phänomen der "selfulfilling prophecy" (wird das so geschrieben?), also dass das eintritt, was man sich selbst ausmalt, so à la Kraft der Autosuggestion. Ich bin natürlich keine Psychologin und weiß deshalb nicht, ob dieses Phänomen Auslöser für solche Gefühle sein kann. Ich kenne das mit dem Überprüfen von mir selbst zu genau - wenn ich gar nicht darüber nachdenke, was ich bin, habe ich keine Gefühle für Frauen; wenn ich mich aber dauernd prüfe (so wie du, im Hinblick auf meine Reaktionen auf Männer und Frauen) und wenn ich gestresst bin, kommen die Reaktionen sofort.
Ich habe das auch mal hier von einem anderen User gelesen, dass er manchmal unbefangen und ohne jedes Gefühl der Erregung mit Männern reden konnte, und dann wieder, wenn er sich überprüfte, zu einem normalen Gespräch nicht in der Lage war.

Ich weiß auch nicht, wirklich helfen konnte ich dir sicher nicht, aber mir kommt das Ganze sehr von außen ausgelöst vor und dann hat es sich irgendwie zu einem Selbstläufer entwickelt.

LG Maris

Re: Zeifel
geschrieben von: Rudolf (-)
Datum: 08. Februar 2010 23:10

Hallo Peter,
ich habe von Männern gelesen die im mittleren Alter selbst im fortgeschrittenen Alter (so über 50) ihre homosexuelle Neigung entdeckt haben. Ich bin auch in psychologischen Dingen nicht so bewandert. Es kann so sein wie Maris es schreibt, dass man durch Autosuggestion es sich einredet. Aber das erscheint mir zweifelhaft. Es gilt der Satz "Man ist Schwul oder nicht" . Ich bin selbst mit knapp 30 "wachgeküsst" worden. Bei vielen Männern liegt die Neigung auf Grund der gesellschaftlichen und öffentlichen Meinung und Erziehung tief vergraben, verdrängt und vergessen. Ich selbst wollte nie wahrhaben dass ich schwul bin , 7 Jahre habe ich dazu gebraucht um mir selbst einzugestehen dass es so ist. Ich wollte nie wahrhaben dass ich einen Mann lieben kann , nach 20 Jahren Doppelleben hatte ich Schmetterlinge im Bauch wie ein Pubertierender und habe die verrücktesten Sachen gemacht um ihn, den Geliebten, zu sehen oder in seiner Nähe zu sein. Es gibt viele sexuelle Spielarten, deshalb würde ich mich an Deiner Stelle selbst beobachten, Weglaufen kann man vor sich selbst nicht. Ich wünsch Dir alles Gute und hoffe wie viele hier im Forum von ihrer weiteren Entwicklung schreiben, auch von Dir ab und zu, zu hören. Liebe Grüße aus dem immer noch kalten Berlin. Rudolf



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.02.10 23:12.

Re: Zeifel
geschrieben von: Martini (-)
Datum: 09. Februar 2010 18:44

Hi Peter,

ich musste beim lesen gerade überlegen was die Vorzüge am älter werden sind?
Vielleicht das man sich selber besser verstehen lernt, auch beim Sex mehr zu den eigenen Gefühlen findet und zu ihnen steht. Mutiger Gefühle umsetzt und sie Auslebt. Das man sich erlaubt Muster und Vorurteile auch mal zu verlassen....usw.

Mir kam auch die Geschichte meines Freundes in den Sinn, der auch einen Auslöser mit 34. hatte. Weshalb ich deine Story auch glaube.

Frauenkleidung hat mit Schwul aber nichts zu tun, dass ist wohl eher eine Art Fetisch, bzw. wer weiß was du noch alles bei/in dir findest. Sozusagen lernst du gerade den Fremden in dir kennen, den hat vermutlich jeder in sich.

Ich bin nach Outing froh nicht nur Männer sexy zu finden, sondern sie/ihn auch richtig offen lieben zu können. Das macht Glücklich, ob das nun ein Mann oder eine Frau ist, ist nebensächlich.

Mit lieben Grüßen

Re: Zeifel
geschrieben von: bi73 (-)
Datum: 14. März 2010 19:27

:-))

irgendwie witzig, sorry!

ich glaube folgendes: man kann weder etwas "werden" noch etwas plötzlich "nicht mehr sein". was man ist, das ist man. das heisst, wenn du bis vor kurzem frauen ehrlich anziehend, erregend und verliebenswert fandest, dann könntest du das auch jetzt noch. der kanal ist wohl einfach völlig blockiert dadurch, dasss du dich völlig reinsteigerst. daher würde dich sagen, dass du wohl wenn schon bi ist und nicht schwul. plötzlich geoutete schwule haben glaub ich meist nicht die empfindungen, die du bei frauen hattest.
ebenso klar ist aber, dass wenn du männer jetzt erregend oder anzeihend finden kannst, dass du das dann im grunde immer schon gekonnt hättest, es aber nicht gemerkt hast. wenn du zu diesen empfindungen fähig bist, hast du wohl schon eine bisexuelle ader. dass du wirklich bi ist, muss aber nicht unbedingt sein.

klar ist auch, dass gerade erregung auch dadurch extrem genährt werden kann, dass du davor angst hast und dich selbst beobachtest. dass du erregt bist muss noch nicht heissen, dass du auch wirklich angezogen bist und lust hast auf das, was du siehst. man ist ja auch vor der fahrprüfung oder vor dem abschlussexamen nervös, ohne dass man dabei lust verspüren würde.....


ich würde mich daher mal dahingehend beobachten, ob dich das, was du siehst eher nur erregt aber keine wirkliche lust auslöst oder ob du lust darauf hast und dich danach sehnst. auch versuche zu spüren, ob das ganze sich für dich natürlich und wunderschön anfühlt oder eher so, dass du letztlich froh ist, wenn du nicht musst.

ich gebe dem mann unten recht, dass man wenn man reifer wird, auch mal klisches ablegen kann und dann zonen entdecken kann, die man nicht erwartet hätte. und dass diese zonen immer schon in einem drin waren. ich glaube aber, dass diese zonen nicht immer das sind, was man wirklich will.

Re: Zeifel
geschrieben von: bi73 (-)
Datum: 14. März 2010 19:41

meine ehrliche meinung zu diesem thema ist, dass sehr viel mehr leute als man denkt zu dieser art "reaktion" auf das eigene geschlecht fähig wären, die du hier beschreibst. das ist das, was ich unten meinte. darauf reagieren aber im grunde keine lust dazu haben. ich glaube, dass die leute eine instinktive schranke in sich haben gegen die dinge, die sie nicht anziehen. wenn diese schranke gebrochen wird, dann kommen diese reaktionen, meistens nervosität, die aber an keine anzeihung gekoppelt ist. ich will nicht sagen, dass alle leute dazu fähig wären, aber meiner erfahrung nach sind die meisten zumindest in ansätzen dazu fähig. die frage ist auch, wie schnell sie es verdrängen und wie sehr sie generell die tendenz haben, sich in dinge reinzusteigern.



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