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Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: karina_ (-)
Datum: 02. März 2010 15:08
Hallo,
ich (31 J.) möchte hier gerne schreiben, weil ich derzeit etwas irritiert bin und hoffe, ein paar Reaktionen zu erhalten:
Seit 1 1/2 Jahren bin ich mit meinem Freund zusammen, den ich liebe. Zuvor hatte ich andere heterosexuelle Beziehungen. Es kam - auch in Phasen, wo ich in keiner Beziehung war - vor, dass ich starke sexuelle Phantasien hatte, die mit einer fast zwanghaften Beschäftigung mit dem Thema Homosexualität einhergingen.
Auch derzeit beschäftigt mich der Gedanke, homosexuell zu sein. Eben wegen der Phantasien. Einher geht all dies mit teils erheblichen Panikgefühlen, in die ich mich immer weiter hineinsteigere und befürchte, den Bezug zur Realität zu verlieren.
Kurz gesagt habe ich die tiefe innere Empfindung, dass es nicht stimmig ist.
Bereits zu einem früheren Zeitpunkt habe ich mir dann irgendwann gesagt: Ok, dann ist es halt so. Probiere es aus, Du bist Single. Der Versuch in der Realität scheiterte, der sexuelle Reiz verschwand, bis sich mein Geist erneut daran festhielt.
Das Ganze steigert sich teils so, dass ich den Eindruck habe, jede Frau hat homosexuelle Vorlieben und ich sei einem ständigen Kontrollverlust ausgesetzt (Ich weiß, dass es unrealistisch ist!). Manchmal erscheint es mir, als müsse ich ständig daran denken und alles sexualisieren.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ist dies eher eine Frage von Panik-/Zwangsstörungen oder ein misslungenes Coming-Out?
Danke für Eure Antworten!
Viele Grüße
Karina
Re: Fragen zu Empfindungen
Datum: 02. März 2010 21:04
Hallo Karina,
was aus deinen Zeilen hervorgeht, ist dass dich das Thema Homosexualität stark beschäftigt und mit Angstgefühlen verbunden ist und dass irgendetwas nach einer Antwort drängt.
Ich wage es nicht zu sagen, dass das ein misslungenes Coming-Out ist.
Sich Fragen zu stellen wie "Liebe ich auch Frauen?" können Teil des Coming Out Prozesses sein.
Ich habe mir diese Frage immer wieder gestellt und sie dann wieder verdrängt, ich hatte Beziehungen zu Männern und zuletzt habe ich mich in eine Frau verliebt. In dem Moment, in dem ich es ihr gesagt habe, dass ich in sie verliebt bin, war meine Lebenssituation keine Phantasie mehr sondern Realität und seitdem kann ich es nicht mehr verdrängen - ich weiss, dass ich lesbisch bin.
Was ich damit sagen möchte ist, dass, falls du dich irgendwann als bisexuell oder lesbisch bezeichnen solltest, dieses stimmige Gefühl - "das ist es" kommen wird. In der Zwischenzeit könntest du dir überlegen, wie du mit den Angstgefühlen und Gefühlen, keine Kontrolle über dich zu haben, umgehen könntest. Vielleicht könntest dich an eine Beratungsstelle wenden, ein Buch zum Thema lesen, mit jemandem aus deinem Freundeskreis darüber reden.... Dass du dieses Forum gefunden hast, ist sicher auch ein Weg der Bewältigung.
Ich werde im Moment auch von vielen Ängsten geplagt, war schon immer eher eine ängstliche und zu Panik neigende Frau. Meine Ängste haben damit zu tun, wem ich es sage und noch mehr damit, wie ich mein Leben gestalten möchte. Die Frau in die ich so sehr verliebt bin, liebt mich nicht als Frau. Ängste sind etwas verdammt unangenehmes und sind sehr lähmend. Auch wenn unsere Ängste unterschiedlich ausschauen, kann ich dieses Gefühl, Kontrolle haben zu wollen und gleichzeitig auf wackeligen Beinen zu stehen gut nachempfinden.
Ich wünsche dir viel Kraft, Antworten auf deine Fragen zu finden. Ich denke du hast schon einen guten Weg gewählt.
Ina
Re: Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: karina_ (-)
Datum: 05. März 2010 21:41
Liebe Ina,
danke für Deine Antwort! Sie hat mir nochmal deutlich gemacht, worum es eigentlich geht: Eine Antwort zu finden. Manchmal kann es so einfach sein. Doch die innere Abwehrhaltung gegen die Gedanken und Phantasien ist (noch?) sehr stark und verstärkt die Ängste. Es hilft manchmal, die Gedanken zuzulassen.
Für Deine Ängste (egal worauf sie bezogen sind) möchte ich Dir noch ein Buch ans Herz legen: "Angstfrei leben" von Lucinda Basset. Es hat mich schon in manchen Situationen unterstützt und ich finde es sehr empfehlenswert.
Karina
Re: Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: bi73 (-)
Datum: 17. März 2010 18:34
hi!
was genau emfpindest du den männern gegenüber und was frauen gegenüber?
was sind das für phantasien mit frauen, die du hast? eher "nur" sexuell? oder "nur" zärtlichkeitsmässig? oder beides zusammen?
und hast du auch phantasien mit männern? welche empfindungen hattest du gegenüber deinen partnern, warst du da so richtig verliebt oder war es eher im sinne von zuneigung?
hat dir bei den männern was gefehlt oder hast du dich im falschen film gefühlt?
Re: Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: karina_ (-)
Datum: 06. Mai 2010 19:18
Hallo,
ich liebe und begehre Männer. Mit Männern fühle ich mich sehr wohl, ich stehe auf ihre Art, darauf, wenn sie ein gewisses (selbstsicheres) Auftreten haben, ihre Stimme und mag besonders gerne (hört sich doof an) kräftige Hände. Sehe ich einen attraktiven Mann mit sexy Ausstrahlung frage ich mich schon, ob ich - mein Freund in allen Ehren - nicht trotz Beziehung verführbar wäre. ... Meine Libido dreht glaube ich grade etwas durch ;-).
Meinen Partnern war ich immer sehr verbunden und wenn ich sie geliebt habe, dann habe ich sie innig geliebt mit allen Verliebheits- und Aufregungsgefühlen vorne weg und im weiteren Verlauf ist es ein warmes, beständiges Bauchgefühl geworden.
Im falschen Film habe ich mich nicht gefühlt. Da fühle ich mich eher in meinen Phantasien, die sich nicht nur auf Frauen beschränken, sondern eine ganze Palette an Variationen mit sich bringt, die ich mir so nicht zutrauen würde. Es macht mir Angst, einige dieser Variationen überhaupt in meinem Kopf zu haben. Andererseits bin ich in gewisser Weise neugierig. Und dann stelle ich mich hierdurch selbst sehr in Frage, was das Ganze sicherlich nicht besser macht: Wäre das wirklich möglich? Würde ich es wirklich tun (können)?
Frauen gegenüber empfinde ich ehrlich gesagt tendenziell eher Angst (klingt paradox, ich weiß). Es gibt wenige Frauen mit denen ich mich verstehe und auch freundschaftlich verbunden fühle. Ich habe kein richtiges Vertrauen gegenüber Frauen und bin sehr zurückhaltend, was den Umgang mit ihnen angeht.
Was die Phantasien mit Frauen betrifft: Sie sind rein sexuell und beschränken sich - furchtbar laaaangweilig und wohl unrealistisch, ich weiß - auf die Hauptgeschlechtsmerkmale. Wie würde sich das anfühlen? Und obwohl ich es nicht weiß, macht es mich total an und da fängt dann der ganze Denkschlamassel an, von wegen ob und wenn und überhaupt. Dann meine ich, ich müsste es mal probieren; der Drang wird groß und ich finde es im nächsten Moment wieder total absurd, denn dieses ganze Drumherum und der ganze Schnickschnack würden mich total nerven (entschuldigt bitte, wenn es zu abfällig klingt). Ich muss mir immer wieder vorstellen, wie es wäre, wenn jetzt eine anzügliche Avancen machen würde und ob ich darauf einginge und wenn ja, wie ich es empfinden würde ...
Re: Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: iglu (-)
Datum: 06. Mai 2010 23:42
Das ist interessant, ich hab als Mann ein ähnliches Phänomen (meine Situation ist insgesamt eine andere, aber in diesem Bereich).
Also: Männer üben auf mich ab und zu eine sehr starke sexuelle Anziehungskraft aus (und die ist auch wie bei dir auf die geschlechtsmerkmale begrenzt). Doch in meinem Leben spielen Männer kaum eine Rolle, ich habe sogar (wie du bei Frauen) eher Angst vor ihnen.
Daher kann ich mir auch nicht vorstellen, mich in einen Mann zu verlieben (dabei würde es einiges einfacher machen wegen meinen sexuellen Präferenzen).
Und ich hab auch eine - naja nichtmals - Theorie dazu, was das vielleicht bei uns zeigen könnte: wir haben beide eine schlechte Verbindung zum eigenen Geschlecht; Ich hab mal gehört, dass heterosexuell lebende Männer ihren homosexuellen Anteil in intensive Männerfreundschaften verlagern (Klischee: beim Fussball in den Armen liegen). Mir fehlt diese verbidung total, und ich hab das vage Gefühl, dass dies meinen homosexuellen Anteil und meine Sehnsucht nach Männlichkeit gestärkt hat.
Evt. liegt aber auch eine Ursache-Wirkung-Verwechslung vor und ich hab deswegen ein schlechtes Verhältnis zu Männern, weil ich ihnen auf heterosexueller Ebene gar nicht begegnen kann. Die Angst also eher als Folge einer verdrängten Homosexualität. Macht beides Sinn. Schade, wie wenig man über sich weiß ;)
Re: Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 07. Mai 2010 12:14
Hallo,
kann es sein, es zwei Arten von Empfindungen gibt??
Eine Empfindung, stark emotional, partnerschaftlich, freundschaftlich, auch ggf. sexuell nicht ganz abgeneigt.
Die andere Empfindung, mit dem Verstand nicht zu greifen, sexuell erregend, die Zweisamkeit suchend ... auch wenn es irgendwie "alltagsmäßig" nicht passen würde ... (klar, Freundschaft, Partnerschaft auch nicht schlecht, aber .... :-)) )
Ich habe fast mein ganzes Leben lang die "erste Variante" gelebt. Ging sogar ganz gut, (war absoluter Spätenwickler) habe es zu Frau, Kindern, Familie gebracht.
Dann brach sich die zweite Empfindung Bahn, ich hatte sie wohl vorher komplett unterdrückt (eben weil sie sich auf Männer bezogen hätte ...)
Vielleicht ist es so:
Heteros haben gute Freundschaften mit dem "eigenen Geschlecht" (Nummer Eins), und stehen auf bzw. fühlen sich sexuell zum anderenm Geschlecht hingezogen (Nummer Zwei).
Bei mit ("jetzt schwul") ist das wohl andersrum, Frauenversteher, gute Freundschaft mit Frauen, mit EINER Frau!!!! Und jetzt fahr ich auf Männer ab ...
Einfach nur mal so versucht, meine Gefühle in Wort zu fassen ...
Lieben Gruß
Victor
Re: Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: iglu (-)
Datum: 07. Mai 2010 13:09
Hallo Victor,
wie war, bzw. ist denn deine Beziehung zu Männern abgesehen vom sexuellen und emotionalen Begehren?
Hattest du, bevor du deine Homosexualität annehmen konntest, auch eher schlechte Beziehungen zu Männern?
Ich frag das, weil ich es gerne mit meinen Erfahrungen abgleichen würde ;)
LG
Re: Fragen zu Empfindungen
geschrieben von: Victor (-)
Datum: 07. Mai 2010 13:48
Hallo iglu,
hmm, ich hatte sehr schöne Freundschaften zu Männern.
Allerdings waren die, rückwärtsbetrachtet, nie so, wie man allgemein Männerfreundschaften kennt. Klar, das waren Kumpels, aber da gab es kein Saufen, kein Fußball, kein Kräftemessen, kein exzessives Feiern ...
Wir haben viel zusammen unternommen, gespielt, abgehangen ...
Und als ich meine Frau kennenlernte, habe ich im Prinzip alle meine Männerfreundschaften "aufgegeben". Im Prinzip wollte ich alles mit ihr teilen ... Gemeinschaft, Unternehmungen, etc. Es war wohl aus meiner Sicht die perfekte Partnerschaft. Ich wollte alle meine Hobbys und Aktivitäten am liebsten mit ihr zusammen durchführen ...
Also es war wohl nicht so extrem, wie bei Dir, aber ich habe heute immer noch keine "Männerfreunde" ... allerdings war ich schon in zwei unglücklich verliebt .... (eben ohne Response bzw. mit Abfuhr oder Korb ...)
Ungefähr so geht es mir im Moment ....
lg
Victor
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